Sonntag, 4. Januar 2015

Mimikry

Solch Kostümierung trifft mich täglich in der Stadt:
Herrje, mir scheint, als ob die Leute
(Ihr Alter? Längst egal!) von heute
Bewunderung erbetteln und, anstatt
das Leben in der Welt zu achten, sich erzwingen.

Als gälte es, mit Masken, Lärm und Energie
das Unverfälschte nachzuäffen,
krakeelen, drängeln, greinen, kläffen
und intrigieren sie mit Akribie
und wetzen hinterrücks, nie offen, ihre Klingen.

Aus welchem Brunnen schöpfen sie die schwarze Glut?
Vertauschte Gott dereinst die Trichter,
goss Geist in Lüfte, nicht Gesichter?
Pulsiert die kalte Asche, nicht die Glut?
Sind sie nur noch ein Exkrement von Sonderlingen? 

Du triffst sie überall: Sie busserln stets entzückt,
indes sie Rosenblättchen rupfen,
verschämt am Röckchen Falten zupfen.
Fällst du drauf rein, wirst du gewürgt, erdrückt!
Sieh da, schon wieder zappeln welche in den Schlingen ...

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