Samstag, 3. Januar 2015

Schlechte Aussichten

Sie war am Ende. Kein Mann weit und breit weckte noch ihr Interesse. 
Irgendwann muss Schluss sein, dachte sie. Was für ein Theater, und alles nur, weil sie irgendwann mal geboren worden war! Dieses Getue um Liebe ging ihr auf den Nerv. Sie fühlte sich fehlgeleitet, verarscht von einer Idee, die alle Menschen befiel, sobald sie zu pubertieren begannen.
Liebe, dachte sie. Liebe!  Ein chemischer Vorgang, der das Aussterben der Menschheit verhindern soll! Für den Fortbestand ihrer Sippe hatte sie gesorgt. Ihre Pflicht war erfüllt.
Männer waren kein Geheimnis mehr. Deren Werbeversuche entlockten ihr nur ein mitleidiges Grinsen. Mit den Jahren erschienen sogar die immer geistloser.
Nun hockte sie auf einem Felsen, ohne den dieser Strand an Romantik eingebüßt hätte und beglotzte das Meer. Seit Stunden starrte sie auf die Wellen und wie diese mit gähnender Monotonie ans Ufer schwappten.
Und dann kam er. 
Seine Augen leuchteten in der Farbe des Meeres. Sie strahlten wie die gerade untergehende Sonne. Langes Haar wallte über die breiten Schultern. Der Wind frischte auf. 
Er sprach sie an!
„Hier, deine Brille. Die hast du im Zelt vergessen. Kommst du? Wir wollen jetzt grillen, Oma.“

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