Donnerstag, 23. Januar 2020

Wie eine Herde Affen


Geschrieben steht, was mancher täglich stammelt,
diverse Sprüche, die den Blick verklären;
der Sinn verquer - vom Inhalt angegammelt,
Geschriebenes gilt selbst wo Zeichen gären.
Sind nicht der Worte bald genug gesammelt?
Sind wir gemeinhin Opfer von Chimären,
die als Diktat, Gesetz wir anerkennen,
durch das wir Glück und Seligkeit gewönnen?

Und sind mitunter Worte nicht auch Waffen?
Ein Konvolut aus Ecken, Kanten, Ritzen,
die ihm erlauben Wahres hinzuraffen,
mit Lügen die Gemüter zu erhitzen?
Die Menschen schreiben, kritzeln, tippen, gaffen,
gehorsam folgend fremden Geistesblitzen,
die logisch ihnen scheinen, halbwegs ehrlich.
Ist selber denken wirklich so beschwerlich?



Dienstag, 21. Januar 2020

Drum prüfe, was sich ewig bindet

Am Rande eines Brunnens hockte
ein Viech, das Mückenweibchen lockte.
Der Sabber troff ihm aus der Gosch.
Ihr wisst schon wem? Na klar: dem Frosch!
Die Mücken, schier paralysiert
und auf den Brunnen programmiert,
umkreisten dessen feuchte Chose.
Der Lurch erstarrte in der Hose.

Rasch war die Erste auserkoren,
der Protz begann sie anzubohren.
Doch leider leider: Sein Entzücken
traf dummerweis nur andre Mücken.
Sein Trost: „Ein Mücklein unter vielen
wird sich schon finden, nur gut zielen!“
Im Schatten, unter einem Schirmchen,
baut vorsorglich der Gute Türmchen.

Dort raunt er leis: „In der Natur
fühlt sich, wie ich, die Kreatur,
tatsächlich als ein junger Spund ...“
Das Mücklein hörts mit spitzem Mund.
Ihr Blickt streift teilnahmslos den Rasen.
Da hat der Frosch sich aufgeblasen!
Schon rappelte und zappelts flugs
in seiner klammen Unterbuchs!

„Komm her zu mir, du junges Stück,
hier findest du dein großes Glück!“
(Wie er dabei die Zunge streckte,
die Hüfte schwang, die Lippen leckte!)
Die Mück war schlau, denn sie blieb fern,
schier unerreichbar wie ein Stern.
Zum allem Ungemach verschwand
ihr Antlitz hinterm Brunnenrand.

Der Nix begann das Lied zu pfeifen:
„Ich muss mich hier auf nichts versteifen!
Ich sag es euch geradeaus,
die nächste bleibt kein Augenschmaus.
Gewiss, der Hunger knautscht bereits
im Leibe mir. Doch keinen Geiz:

Zur Not werd ich mir eine nehmen,
die grade noch … Was soll das Grämen
um eine Schönheit hier am Ort“
und formulierte gierig fort.
„Ach küsst mich bitte, küsset mich!
Ich bin ein Prinz!“, quakt Kröterich.
Er warf dem Mückenschwarm entgegen:
„Wie schön ihr seid! Göttlicher Segen!“,

worauf die Mücken ihn umschwirrten
gleich einem religiösen Hirten.
Da jagt die Zunge in die Luft,
schnappt fangbereit aus diesem Schuft.
Die Mücke, die dran kleben blieb,
vermutete, er hätt' sie lieb
und riss die Beinchen in die Höhe.
Vom Brunnenrand riefs: „Wehewehe!"

Mit einem Happs ward sie verschluckt
kaum dass sie einmal nur gezuckt.
Der Grüne, indes er verdaut,
hat sich nach Vorrat umgeschaut.
Das Mücklein hinterm Brunnenring
schnauft einmal durch, denkt: ‚Wattn Ding!
So kann man sich in einem keuschen
und wortgewandten Fröschlein täuschen!‘

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Jahresrückblick (mol anners)

Wenn doch allet nich so swör wär,
wenn dat Wärer nöch so mies,
kunn ick disset Joar verjäten,
dat mien Läbe mi verdrieß.

De Pantuffeln hebb ick broten
un de Tüffeln anjetreckt,
Koken hebb ick saltbestreuet,
ouk mien Brouten is verreckt!

Up de Wies heb ich jelejen,
in mien Bedde laach ne Kou.
Miene Nochborn hemm jelacht
un mien Arzt secht: „Seih man tau!“

Wenn doch allet nich so swör wär,
gäb es Plumpudding zun Fest.
Doch ick tröst mick: Nix is slimmer,
as de olle Swinepest.


Hochdeutsch:

Wenn doch alles nicht so schwer wäre,
wenn das Wetter nicht so mies,
könnte ich dieses Jahr vergessen,
das mein Leben mir verdrießt.
Die Pantoffeln hab ich gebraten
Und die Kartoffeln angezogen,
Kuchen hab ich salzbestreut,
auch mein Braten ist verstorben!
Aus der Wiese hab ich gelegen,
in meinem Bett lag eine Kuh.
Meine Nachbarn haben gelacht
Und mein Arzt sagt: „Sieh mal zu!“
Wenn doch alles nicht so schwer wäre,
gäbe es Pflaumenpudding zum Fest.
Doch ich tröste mich: Nichts ist schlimmer,
als die alte Schweinepest.



Montag, 9. Dezember 2019

Stille Nacht - Heilige Nacht


Anselm glitt mit einem Pantoffelfuß über die Schwelle ins Freie. Aus dem Innern des Hauses kreischte seine Frau: „Mach die Türe zu! Schau aus dem Fenster, wenn du wissen willst, ob es gefroren hat!“
Anselm gehorchte. In den vergangenen Jahrzehnten hatte er diesen Gehorsam schätzen gelernt. Nur mit Gehorsam war Gertrud zum Schweigen zu bringen. Ihre Stimme ertrug er nur noch selten. Ob sich unablässiges Keifen negativ auf die Stimmfarbe auswirkte, fragte er sich oft? Er wusste es nicht, erlebte aber, wie sehr er die Ruhe im Haus genoss, wenn seine Frau nicht anwesend war.
„Fährst du heute einkaufen?“ Anselm hatte die Klappe des Küchenherds geöffnet und legte andächtig zwei Kohlen in die Glut.
„Nein, ich fahre zu Mutti. Wir gehen auf den Weihnachtsmarkt. Hast du das schon wieder vergessen?" Gertruds Anorak raschelte geschäftig.  "Für Weihnachtsgedöhns hast du ja nichts übrig!“
Anselm schloss die Ofentür.
„Denk dran, ich muss kochen, wenn ich zurück bin. Dass mir der Herd auch heiß genug ist!“
Mit diesen Worten wehte Gertrud über den Flur zur Haustür hinaus.
„Natürlich, mein Liebchen“, brabbelte Anselm und beobachtete durchs Küchenfenster, wie seine Frau achtsam über den Gehweg zum Auto tapste und einstieg. Anselm wandte sich ab und setzte sich auf einen der Küchenstühle. Er musste nicht lange warten. Mit den Händen an den Ohren vernahm er dennoch deutlich den Knall.
Die Polizei ermittelte als Unfallursache fehlende Winterreifen.
„Tut mir leid, Herr Wachtmeister“, entschuldigte sich Anselm mit sparsamen Worten. „Das Auto gehörte meiner Frau. Ich selbst fahre nicht mehr.“ Damit nahm er zwei Kohlen aus dem Eimer und legte sie feierlich in die Glut.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Humankapital


Die Suche, die der Mensch sein eigen nennt,
das Eifern nach Gewinnen und nach Siegen,
dies mündet meist in blutverdreckten Kriegen,
wo man kein Miteinander, Liebe kennt.

Indes die Schönheit dieser Welt verbrennt,
vernichten Wort und Taten sie, betrügen
in dem Versuch die Wahrheit hinzubiegen,
beschwören, was nicht eint, nur das, was trennt.

Die Mahner werden rigoros verlacht.
Es heißt, sie wüssten nichts von Macht,
Verantwortung und Wirtschaft. Und zum Lohn

schickt man die fremden Söhne in Gefechte.
Sie sterben Nummerntode und die Mächte?
Sie tanzen Walzer in Palästen - uns zum Hohn!

Mittwoch, 28. August 2019

Neues aus dem Klimawendland

Der Wald brannte heftig in Fegefeuer.
Die Flammen befühlten wie Ungeheuer
mit langen Zungen auch Schnarchenreuth,
erhellten die Nächte zur Schlafenszeit.
Die Feuerwehrleute aus Narrenstetten
scheuchten die Leute aus ihren Betten.
Sie sagten den Bürgern von Schabernack:
Die Pläne für Windräder seien in Sack
und in Tüten. Und die Klima-Wenden
würden die Brände nun wieder beenden.




Anmerkung:  kursiv: kuriose Ortsnamen in Deutschland ohne tatsächlichen Bezug zum Geschehen in Brändenburg

Dienstag, 27. August 2019

Wenn ein Bussard denkt


Auf einem abgeknickten Stumpf
sitzt Bussard Bernd und blickt recht dumpf
hinein ins weite Land.

Er guckt mal her, er guckt mal hin
und brütet über Sein und Sinn,
vom schnöden Vogelstand.

Die Sonne steigt, die Sonne sinkt,
vom Rain ein junges Menschlein winkt;
durch Wiesen streift der Wind.

Sein Magen knurrt, wie sonderbar!
Doch eines ist dem Bernd bald klar:
So‘n Bussard frisst kein Kind!

Vom Dorfe her ertönt ein Schlag,
die Kirchturmuhr beschließt den Tag.
Ein Trecker wankt nach Haus.

Indes der Bussard ohne Plan
nur guckt und denkt, schnappt ein Milan
die Maus.

Montag, 26. August 2019

Ein Tisch


Am kommenden Wochenende wird der Unterbau noch einmal gestrichen.
Ansonsten darf ich behaupten, er sei fertig!
Zur Freude der Hausfrau steht er auf Rollen. ;-)


Freitag, 23. August 2019

Der Schlips

Ein Schlips saß jammernd auf der Bank,
saß lange, bis die Sonne sank.
Man fand vom Zeitgeist ihn gekränkt
tags drauf am Baume aufgehängt. 

Donnerstag, 22. August 2019

Der Lattenzaun


Ein Lattenzaun stand Jahr für Jahr
um einen Garten, der da war,
mit Erdreich, Blumen, Kiesel.
Sein Holz umgab den Pflanzbereich,
darinnen Rosen, Gartenteich,
ein Frosch, zwei Schneck, drei Wiesel …

Er trotzte Dieben, trotzte Wind,
behütete das Spiel vom Kind
im Rahmen und als Drumherum.
Doch nagte Zeit am Schutzgeflecht!
Mit einmal ward dem Zaune schlecht
und er fiel um.

                           Foto: Lotta Manguetti

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Mittwoch, 28. November 2018

Auszeit

Nein, nicht wirklich:

Ich schreibe seit dem Frühjahr an meinem Roman, dessen Ende mittlerweile in Sichtweite kommt.

Allerdings brauche ich noch 3 bis 4 Monate, bevor ich mich wieder mit Lyrik beschäftigen kann.

Aus diesem Grund poste ich ab und an Bastelarbeiten, die mich den Kopf anheben lassen. :-)


Ich wünsche euch eine tolle Vorweihnachtszeit mit einem Haufen toller Ideen.


Eure Lotta

Sonntag, 21. Oktober 2018

Lesestübchen



3 Stunden Friemeln! 
Puh, aber es hat sich gelohnt. 
(Morgen geht's weiter mit der
Arbeit am Roman- Kapitel XXVI) 
;-) 

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Herbstbasteleien


für TT
Kathrin B.
Christiane
Jule L.
Kathrin G.
Jule K.
Katharina
Nancy
Irene
Dennis
Heike
Christine
Heikes Mutter



Dienstag, 10. April 2018

Endlich Vollsonne!



Verstohlen geht die Sonne auf,
ihr Blinzeln folgt noch zartem Streif.
Auf Wiesen schmust der Tau mit Reif
und nimmt die Spannerei in Kauf.

Der Borderline, der kühlen Nacht,
getaucht in Schwarz und Watteweiß,
entspringt ein goldnes Flimmern. Leis
hat dies den neuen Tag entfacht.

Sie tönt und färbt, bemalt die Welt,
legt bunte Laken auf das Land,
vertreibt den kalten Vollmondmann,

gleißt über Schatten. Dem gefällt
ihr schrilles Spiel, er grüßt galant.
Und Frühling knippst die Leuchten an.

Mittwoch, 28. März 2018

Engel können doch fliegen!



Heut morgen glitt ich aus der Türe,
gleich einem ungeschickten Tiere,
das grad geboren Laufen übt.
Und damit nicht genug: Ich rang
nur kurz mit Eis, im Grunde bang
erahnend, wer da jetzt wohl fliegt.

Pardauz! Prompt hoben sich die Beine
(ein jedes ganz für sich alleine).
Im Gleichklang schwangen sich empor
erst rechts die Hax und gleich drauf links
schier flügellos und schlechterdings,
als ich mein Gleichgewicht verlor.

Knapp fing ich mich mit einer Hand.
Der Rest ruht nun im Streckverband.

Mostafas Geschenk

Dein Lächeln glich einem Händchen, das aus entrückter Erde nach Halt griff.
Ein Lächeln, von dem ich nie zuvor ahnte, ihm jemals zu begegnen.
Fremder als sämtliche Sterne am nächtlichen Himmel schenktest du mir einen Blick in deine tiefblaue Seele. Das Blau jenes Meeres, das dich zu mir trug.
Ich hielt deine feuchten Händchen, kaltgeworden wie unsere Welt, während du friedlich deinen letzten Nachen bestiegst.
Dein Lächeln trage ich in mir.


Mostafa
August 2013 - Januar 2016

Einkehr

Der Tag verschlingt sein Gnadenbrot,
es duftet nach Vanille.
Die Kirchturmspitze sticht ins Rot,
und endlos senkt sich Stille.

Ein Hoftor knarrt. Kaum hörbar naht
mein Herz durch letzte Lichte.
Dieweil durchflutet Silberdraht
den Weg zur alten Fichte.

Wir gehen schweigend Hand in Hand.
Der Mond zieht für die Nacht
den Vorhang zu mit schwarzem Band,
hats Hoftor zugemacht.

Sonntag, 9. April 2017

Das Meer trägt viele Namen

Sie schütteln die Mähnen, die Meereslöwen
und rütteln an Booten, Kähnen und Schiffen.
Den Sturmwind durchschneiden schreiende Möwen.

Der Wind heult, die Gischt tobt an Felsenriffen,
peitscht ohrenbetäubend auf Stein, auf Klippen
und rüttelt an Booten, Kähnen und Schiffen.

Dies Heben und Fallen - beständiges Wippen
auf wälzenden Wogen! Sie überschäumen
die lautlosen Schreie, splittern an Klippen.

Was nützt, gegen Stürme sich aufzubäumen?
Denn jedem Begehr folgen neue Brecher,
die berstenden Splitter zu überschäumen.

Dein Bett ist zerwühlt, Kindlein, immer schwächer
die Ärmchen; und dieses Meer muss rumoren.
Und jedem Begehr folgen neue Brecher.

Am Strand liegt ein Rettungsring, liegt verloren.
Sie schütteln die Mähnen, die Meereslöwen.
Die Ärmchen erschlafft. Das Meer muss rumoren.
Den Sturmwind durchschneiden schreiende Möwen.

Für Mostafa S.

Freitag, 13. November 2015

Así es

Hacer que me dice mi corazón - es vivir. 
Lo contrario fuera nada más que morir.

Dienstag, 7. Juli 2015

Action!

Wo Wille nur ein Wille ist,
verharrt der Mensch als Idealist.
Folgt weder Tat noch Schritt auf Schritt,
gibt dir dein Leben einen Tritt.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Rabenlied

Wie doch die Eichen knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Und über ihnen gellt des Raben schrilles Krächzen.
Die Dunkelheit, fast Schwärze, trägt ihr Abendkleid.

Aus finstren Wolken, die bedrohlich Berge türmen,
weht er, der Sammler, hält mir seinen Monolog.
Die Nacht jagt Himmel, bläht sich auf, verrauscht in Stürmen.
Ich sah den Raben wieder, den, der über Eichen flog.

Von Wehmut, die uns manches Mal ereilt auf Erden,
erzählte er mir einst am Fensterbrett und sang
das Lied von der Unendlichkeit, vom Gehen, Werden.
Dann hob er ab. Die Flügel fauchten Sturm und Drang.

Und mittendrin, im Lied von Ewigkeit und Trauer,
sang er vom Leben, sang von wildem Mut.
Er rief mir zu, es wäre nichts von ew'ger Dauer;
letztendlich wäre auch am Abschied etwas gut.


Die Eichen, wie sie knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Dort über ihnen gellt des Raben Ruf, kein Krächzen,
und Dunkelheit, fast Schwärze, trägt sein Abendkleid.

Freitag, 8. Mai 2015

Auf Wiedersehen, geliebte Freundin


Am Tore steht ein wilder Typ,
strahlt mich aus lichten Augen an.
Er steht auf einem Zeh,
als schwebe er, mein Andersmann!

Dahinter ruht im Morgendunst
ein See, ein blauer See.
Darauf zwei Schwäne, weiß wie Schnee, 
gleich einem Bild von edler Kunst.

In seinem Arm - ohn Ach und Weh -
die Ewigkeit: mein Lieb.

13. August 1966 - 25. April 2015

"Er wartet unter einem Tor auf mich, mein Andersmann." (Silvi)

Freitag, 1. Mai 2015

Um Mitternacht

Im Mai stahl sich ein Stern aus einem Bettbezug;
als Bote kam er übers Dach gestiegen,
verkündete: "Ein Gruß von ihm!" per Funkenflug -
nur dies - ansonsten hat sein Mund geschwiegen.

Ein Gruß von dir. Bescheiden hielt ich ihm die Hand,
nicht zu ergreifen, vielmehr zu erahnen,
entgegen. So, als seien wir ein Leben lang bekannt.
Ein Weilchen zogen wir vereint am Himmel Bahnen.

In jener Nacht glomm dieser Stern (nur für uns zwei)
ein paar Minuten länger, sondergleichen:
ein Funkelstern um Mitternacht im neuen Mai.
Und mir gelang, ihm eine Hand zu reichen.

1. Mai

Donnerstag, 23. April 2015

Aprilpesto + Rezept


Dem morgendlichen Streifzug (heute sogar mit Specht) folgte ------------->



Pesto:


- Knoblauchrauke
- Vogelmiere
- Olivenöl
- 1 Teel.Arganöl
- Salz
- 1 Teel. Kräutersirup
- Mandeln
- Walnüsse

pürieren + genießen 
(manchmal mit Nudeln, heute aufs Brot/Marke Eigenback)





-satt-




Montag, 20. April 2015

Abgang


Medievale Fratzen sägen
an weißen Schenkeln,
weiden sich am Schwartestumpf,
sezieren, zerrupfen
epidermisblau, blutgestockt
den Schoß.
Hirn-Einmaster-schnipsend
ergötzt sich das Monsterknäuel
an schwärenden Qualen.
Eine feiste Lügenvisage
schreit rudernd
aus zungenentleertem Mund,
Mund, und ...

Erschöpft verschwenden sich
letzte Blicke
an gedoppelte Paeonia,
fängt sich Sonnenlicht
in gewebtem Kristallschleier.
Möbel knacken urgroßmütterlich.
Die Standuhr vertickt -
Lebenszeit.

Eine Fliege klatscht gegen Fensterglas -
Glas, las, aas...s.
Blüten splittern zur
Stille im Schaukelstuhl.

Diabolisch

Lustschlösser erbrachen Regenbögen.
Lippenbekenntnisse verdrehten Farben;
sie kotzten devot im Hündischen.
Scheelsüchtig gebar eine Missgunst

die Niedertracht.
Resigniert.
An zerbissener
 Unterlippe

nagte übermächtige Angst
vor Kontrollverrat.

Brüskierend blumig
tobte die Leidenschaft
auf der anderen,
der abgewandten Seite.

Und der Wurm kettete sich ans Gestänge,
wand sich in seiner Pein.
Abgedroschen wimmerte er
gen Uteri - und
war dieser Teufel längst
zum Teufel.

Samstag, 28. Februar 2015

Fotostrecke

Mein Kind, wir sind aus jenen Jahren,
wo Werbebilder blütenweiß,
die Menschen aber schmutzig waren
von Schinderei, Tortur und Fleiß.
Und Bild um Bild wird bald vergreisen,
der Himmel ist schon fast verblasst.
Vergilbte Fotos unsrer Reisen,
beweisen dir: Wir waren Gast,
zu Gast im Farblos, Grau, im Matten;
für Kunterbuntes wars zu früh.
Es gab nur Sonnenlicht und Schatten,
was unsern Bildern Leben lieh.

Samstag, 24. Januar 2015

Die Affären des Don Käfernova

Es war einmal ein Käfer,

der glaubte an die Liebe,
dacht‘ Käferinnen träf er,
von denen eine bliebe.
Die erste, das Mariechen,
die wusste zu becircen.
Er mocht‘ sie nur nicht riechen,
hob sie die Kittelschürzen.
Die nächste hatte Hörner
und war ganz gegen Chemo,
sie fraß jedoch nur Körner,
und lief zu jeder Demo.
Doch dann kam sie, die Rechte,
der Knaller, ne ganz harte,
die wochenlang nur zechte –
als Mann sich offenbarte.
Ich gebe auf, so dachte
der Krabbler auf der Wiese;
im Wassergraben lachte
derweilen albern – Liese.
Nach langer schwerer Suche,
da landete ganz sachte
sein Traum bei einer Buche,
sie war so schön – die Achte.
Bei der muss er nun bleiben,
dort auf dem Bahngelände,
denn ich hör auf zu schreiben:
Aus – Schluss - Vorbei und ENDE!

Ruhe

Ein Rohrspatz sprach zur Nachtigall,
sie störe seine Muße.
Sie fragte ihn: "Gesetzt den Fall,
ich schwiege, täte Buße,
wer sänge dann?" Gar fürchterlich
schrie da der Rohrspatz : "Ich – ich - ich!"

Samstag, 17. Januar 2015

Pferd und Esel


Ein stolzer Rappe und ein alter Esel trabten an einem warmen Sommertag gen Sonnenuntergang. Unter ihren Hufen wirbelte der Staub der Straße in dichten Schwaden; Schweiß rann ihnen von der Stirn.
Mit einem Mal hub der Rappe zu reden an.
„Esel,“ sprach er, „du dummer Esel solltest hinter mir bleiben! Es geziemt sich nicht für einen wie dich, in der ersten Reihe zu marschieren.“
Der Esel, der dem stolzen Begleiter um einen Schritt vorausgewesen war, hielt inne.
„I aaaa“, erwiderte er kurz und senkte demütig den Kopf.
Der Rappe verdrehte die Augen, erhob seinen Blick zum Himmel und schnaubte.
Der Esel, der stehengeblieben war, schaute hinterher, wie der Gaul in die Schlucht stürzte, die sich wenige Schritte weiter vor ihnen aufgetan hatte.

Dienstag, 6. Januar 2015

Ein Kuss

Lerchen streifen Wolkenherden,
eine Krähe pickt im Feld
und der Ruf des Kuckucks gellt
bei den Schafen, bei den Pferden.

Siehst du uns im Grase liegen?
Leise plätschert unser Bach.
Hörst du auch mein leises “Ach,
sieh nur, wie die Schwalben fliegen”?

Oder bist du eingeschlafen?
Ich schau auf und weil ich muss,
gebe ich dir einen Kuss,
auf der Wiese, bei den Schafen.


Montag, 5. Januar 2015

Vom Reh

Der Jäger schoss ein Reh auf einem Acker.
Das stand nur da und kaute stumm an Stängeln.
Und der da schoss, der fühlte cool sich, wacker,
fernab von Schuldgefühl, Defekten, Mängeln.

Zum Schlachtefest (man weiß, dies folgt dem Schuss)
wünsch ich ihm Übelkeit und Darmverschluss.

Samstag, 3. Januar 2015

Schlechte Aussichten

Sie war am Ende. Kein Mann weit und breit weckte noch ihr Interesse. 
Irgendwann muss Schluss sein, dachte sie. Was für ein Theater, und alles nur, weil sie irgendwann mal geboren worden war! Dieses Getue um Liebe ging ihr auf den Nerv. Sie fühlte sich fehlgeleitet, verarscht von einer Idee, die alle Menschen befiel, sobald sie zu pubertieren begannen.
Liebe, dachte sie. Liebe!  Ein chemischer Vorgang, der das Aussterben der Menschheit verhindern soll! Für den Fortbestand ihrer Sippe hatte sie gesorgt. Ihre Pflicht war erfüllt.
Männer waren kein Geheimnis mehr. Deren Werbeversuche entlockten ihr nur ein mitleidiges Grinsen. Mit den Jahren erschienen sogar die immer geistloser.
Nun hockte sie auf einem Felsen, ohne den dieser Strand an Romantik eingebüßt hätte und beglotzte das Meer. Seit Stunden starrte sie auf die Wellen und wie diese mit gähnender Monotonie ans Ufer schwappten.
Und dann kam er. 
Seine Augen leuchteten in der Farbe des Meeres. Sie strahlten wie die gerade untergehende Sonne. Langes Haar wallte über die breiten Schultern. Der Wind frischte auf. 
Er sprach sie an!
„Hier, deine Brille. Die hast du im Zelt vergessen. Kommst du? Wir wollen jetzt grillen, Oma.“

Freud und Leid ...

Es war an einem Sonntag im Mai. Die Sonne schien vom Himmel herab, als hätte sie Geburtstag. Fröhlich spielten ihre Strahlen auf der Waldlichtung und trafen auf einen Fuchs.
„Guten Morgen, Sonne“, rief der ihr entgegen. „Ihr scheint heute so hell, dass mir schier die Äuglein weh tun!“
Die Sonne lächelte und antwortete: „Ihr tretet aus dem Schatten in mein Reich und beschwert euch darüber? So geht doch zurück unter die Bäume! Dort ist es schattig und kühl.“
Verärgert wendete sich der Fuchs ab und verschwand im Wald.
Ein Schuss krachte. Etwas Rotes fiel ins Moos.
Der Jäger war zufrieden.

Vom Gärtner

Ein Mauerblümchen fristete sein Dasein am Fuße einer alten Ruine.
Eines Tages erschien ein Mann und beschloss in der Nachbarschaft einen Garten anzulegen. Bald blühten dort wunderschöne Rosen. 
Das Mauerblümchen freute sich anfangs über die Gesellschaft. Jedoch musste es feststellen, dass die Rosen es nicht wahrnahmen. Da reifte sein Entschluss zu blühen wie die stolzen Rosen. Von Tag zu Tag gelang ihm dies besser, auch wenn die Anstrengung Rosenblätter nachzuahmen seine ganze Kraft kostete. Wie freute es sich, als der Gärtner es endlich entdeckte!
Der nahm es mit den Worten „Du bist hier falsch!“ beim Schopf und riss es aus.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Macht mal

Die Welt drängt sich mir ständig auf,
als wär sie nicht gleichwohl
ein Rennen bis zum Zieleinlauf
und dann - am Ende hohl.

Der Mensch sucht Liebe bis zum Schluss,
als wär sie der Garant
für Ewigkeit. Welch Sockenschuss!
Der hat sich wohl verrannt?

Ach, rennt nur, rennt bis hin zum Tag,
an dem ihr umfallt, puff!
Ich bleibe hier, weil ich nicht mag,
und gehe auch einst druff.

Fremd

Ach, was waren das für Jahre,
als wir fern noch jener Bahre!

Meine Oma puhlte Bohnen,
dachte nicht ans Kälberclonen.

Knechte spitzten unter Röcke;
heute tun es alte Böcke.

Früher melkte man ab Viere.
Nunmehr heißts: Ich-mäh-die-Tiere!

Keiner spricht mehr Platt, nur platter:
English mixt das Weltgeschnatter.

Fremd ist mir die Welt geworden,
fremd der Mensch und seine Horden.

Aufenthaltserlaubnis/Duldungsklausel

Ein Stein liegt da und rührt sich nicht,
wenn Regen, Wind ihn meiden.
Die Tulpe blüht, bis sie zerbricht
und wird auch so verscheiden.

Ein Reh springt übers Feld zum Wald,
der Fuchs gräbt eine Höhle.
Und wenn das Halali erschallt,
geht’s beiden an die Kehle.

Die Wolken ballen sich in Form
und Art und malen Bilder.
Sie unterliegen eitler Norm:
dem Blick blasierter Wilder.

Der dumme Mensch glaubt sich am Ziel
der Schöpfung, feilscht und labert
mit Pro und Contra, wetzt den Kiel,
von Geist umkreist, umwabert.

Der Stein, die Tulpe, Wolken, Reh,
die müssen es ertragen,
des Menschen Ach, des Menschen Weh
und dulden ihn. Noch Fragen?