Dienstag, 21. Januar 2020

Drum prüfe, was sich ewig bindet

Am Rande eines Brunnens hockte
ein Viech, das Mückenweibchen lockte.
Der Sabber troff ihm aus der Gosch.
Ihr wisst schon wem? Na klar: dem Frosch!
Die Mücken, schier paralysiert
und auf den Brunnen programmiert,
umkreisten dessen feuchte Chose.
Der Lurch erstarrte in der Hose.

Rasch war die Erste auserkoren,
der Protz begann sie anzubohren.
Doch leider leider: Sein Entzücken
traf dummerweis nur andre Mücken.
Sein Trost: „Ein Mücklein unter vielen
wird sich schon finden, nur gut zielen!“
Im Schatten, unter einem Schirmchen,
baut vorsorglich der Gute Türmchen.

Dort raunt er leis: „In der Natur
fühlt sich, wie ich, die Kreatur,
tatsächlich als ein junger Spund ...“
Das Mücklein hörts mit spitzem Mund.
Ihr Blickt streift teilnahmslos den Rasen.
Da hat der Frosch sich aufgeblasen!
Schon rappelte und zappelts flugs
in seiner klammen Unterbuchs!

„Komm her zu mir, du junges Stück,
hier findest du dein großes Glück!“
(Wie er dabei die Zunge streckte,
die Hüfte schwang, die Lippen leckte!)
Die Mück war schlau, denn sie blieb fern,
schier unerreichbar wie ein Stern.
Zum allem Ungemach verschwand
ihr Antlitz hinterm Brunnenrand.

Der Nix begann das Lied zu pfeifen:
„Ich muss mich hier auf nichts versteifen!
Ich sag es euch geradeaus,
die nächste bleibt kein Augenschmaus.
Gewiss, der Hunger knautscht bereits
im Leibe mir. Doch keinen Geiz:

Zur Not werd ich mir eine nehmen,
die grade noch … Was soll das Grämen
um eine Schönheit hier am Ort“
und formulierte gierig fort.
„Ach küsst mich bitte, küsset mich!
Ich bin ein Prinz!“, quakt Kröterich.
Er warf dem Mückenschwarm entgegen:
„Wie schön ihr seid! Göttlicher Segen!“,

worauf die Mücken ihn umschwirrten
gleich einem religiösen Hirten.
Da jagt die Zunge in die Luft,
schnappt fangbereit aus diesem Schuft.
Die Mücke, die dran kleben blieb,
vermutete, er hätt' sie lieb
und riss die Beinchen in die Höhe.
Vom Brunnenrand riefs: „Wehewehe!"

Mit einem Happs ward sie verschluckt
kaum dass sie einmal nur gezuckt.
Der Grüne, indes er verdaut,
hat sich nach Vorrat umgeschaut.
Das Mücklein hinterm Brunnenring
schnauft einmal durch, denkt: ‚Wattn Ding!
So kann man sich in einem keuschen
und wortgewandten Fröschlein täuschen!‘

Montag, 9. Dezember 2019

Stille Nacht - Heilige Nacht


Anselm glitt mit einem Pantoffelfuß über die Schwelle ins Freie. Aus dem Innern des Hauses kreischte seine Frau: „Mach die Türe zu! Schau aus dem Fenster, wenn du wissen willst, ob es gefroren hat!“
Anselm gehorchte. In den vergangenen Jahrzehnten hatte er diesen Gehorsam schätzen gelernt. Nur mit Gehorsam war Gertrud zum Schweigen zu bringen. Ihre Stimme ertrug er nur noch selten. Ob sich unablässiges Keifen negativ auf die Stimmfarbe auswirkte, fragte er sich oft? Er wusste es nicht, erlebte aber, wie sehr er die Ruhe im Haus genoss, wenn seine Frau nicht anwesend war.
„Fährst du heute einkaufen?“ Anselm hatte die Klappe des Küchenherds geöffnet und legte andächtig zwei Kohlen in die Glut.
„Nein, ich fahre zu Mutti. Wir gehen auf den Weihnachtsmarkt. Hast du das schon wieder vergessen?" Gertruds Anorak raschelte geschäftig.  "Für Weihnachtsgedöhns hast du ja nichts übrig!“
Anselm schloss die Ofentür.
„Denk dran, ich muss kochen, wenn ich zurück bin. Dass mir der Herd auch heiß genug ist!“
Mit diesen Worten wehte Gertrud über den Flur zur Haustür hinaus.
„Natürlich, mein Liebchen“, brabbelte Anselm und beobachtete durchs Küchenfenster, wie seine Frau achtsam über den Gehweg zum Auto tapste und einstieg. Anselm wandte sich ab und setzte sich auf einen der Küchenstühle. Er musste nicht lange warten. Mit den Händen an den Ohren vernahm er dennoch deutlich den Knall.
Die Polizei ermittelte als Unfallursache fehlende Winterreifen.
„Tut mir leid, Herr Wachtmeister“, entschuldigte sich Anselm mit sparsamen Worten. „Das Auto gehörte meiner Frau. Ich selbst fahre nicht mehr.“ Damit nahm er zwei Kohlen aus dem Eimer und legte sie feierlich in die Glut.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Humankapital


Die Suche, die der Mensch sein eigen nennt,
das Eifern nach Gewinnen und nach Siegen,
dies mündet meist in blutverdreckten Kriegen,
wo man kein Miteinander, Liebe kennt.

Indes die Schönheit dieser Welt verbrennt,
vernichten Wort und Taten sie, betrügen
in dem Versuch die Wahrheit hinzubiegen,
beschwören, was nicht eint, nur das, was trennt.

Die Mahner werden rigoros verlacht.
Es heißt, sie wüssten nichts von Macht,
Verantwortung und Wirtschaft. Und zum Lohn

schickt man die fremden Söhne in Gefechte.
Sie sterben Nummerntode und die Mächte?
Sie tanzen Walzer in Palästen - uns zum Hohn!

Dienstag, 27. August 2019

Wenn ein Bussard denkt


Auf einem abgeknickten Stumpf
sitzt Bussard Bernd und blickt recht dumpf
hinein ins weite Land.

Er guckt mal her, er guckt mal hin
und brütet über Sein und Sinn,
vom schnöden Vogelstand.

Die Sonne steigt, die Sonne sinkt,
vom Rain ein junges Menschlein winkt;
durch Wiesen streift der Wind.

Sein Magen knurrt, wie sonderbar!
Doch eines ist dem Bernd bald klar:
So‘n Bussard frisst kein Kind!

Vom Dorfe her ertönt ein Schlag,
die Kirchturmuhr beschließt den Tag.
Ein Trecker wankt nach Haus.

Indes der Bussard ohne Plan
nur guckt und denkt, schnappt ein Milan
die Maus.

Freitag, 23. August 2019

Der Schlips

Ein Schlips saß jammernd auf der Bank,
saß lange, bis die Sonne sank.
Man fand vom Zeitgeist ihn gekränkt
tags drauf am Baume aufgehängt. 

Donnerstag, 22. August 2019

Der Lattenzaun


Ein Lattenzaun stand Jahr für Jahr
um einen Garten, der da war,
mit Erdreich, Blumen, Kiesel.
Sein Holz umgab den Pflanzbereich,
darinnen Rosen, Gartenteich,
ein Frosch, zwei Schneck, drei Wiesel …

Er trotzte Dieben, trotzte Wind,
behütete das Spiel vom Kind
im Rahmen und als Drumherum.
Doch nagte Zeit am Schutzgeflecht!
Mit einmal ward dem Zaune schlecht
und er fiel um.

                           Foto: Lotta Manguetti

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Mittwoch, 28. November 2018

Auszeit

Nein, nicht wirklich:

Ich schreibe seit dem Frühjahr an meinem Roman, dessen Ende mittlerweile in Sichtweite kommt.

Allerdings brauche ich noch 3 bis 4 Monate, bevor ich mich wieder mit Lyrik beschäftigen kann.

Aus diesem Grund poste ich ab und an Bastelarbeiten, die mich den Kopf anheben lassen. :-)


Ich wünsche euch eine tolle Vorweihnachtszeit mit einem Haufen toller Ideen.


Eure Lotta

Sonntag, 21. Oktober 2018

Lesestübchen



3 Stunden Friemeln! 
Puh, aber es hat sich gelohnt. 
(Morgen geht's weiter mit der
Arbeit am Roman- Kapitel XXVI) 
;-) 

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Herbstbasteleien


für TT
Kathrin B.
Christiane
Jule L.
Kathrin G.
Jule K.
Katharina
Nancy
Irene
Dennis
Heike
Christine
Heikes Mutter



Donnerstag, 14. Juni 2018


Farbenlehre

Sie saßen im Kreise beieinander, die Farben, Tönungen, Mischungen, kurz, die Kolorite des Universums. Alle waren erschienen, nur eine nicht. Ihr Stuhl gähnte ein Loch in die Runde, perforierte das Treffen, zog alle Aufmerksamkeit auf sich.

Rot unterbrach als erstes die Stille: Unverantwortlich ist das. Jawohl!
Es vergewisserte sich seiner Beachtung, indem es sich abwechselnd mit Pink und Weinrot in Blickkontakt begab. Diese nickten beipflichtend mit dem Kopf.
Zufrieden lehnte sich Rot zurück und wippte mit dem Fuß.
Das konnte Grün nicht auf sich sitzen lassen: Das wird schon, es kommt noch! Es hat noch nie gefehlt, schob er hinterher und wagte einen kurzen Augenkontakt mit Gelb.
Gelb jedoch starrte weiterhin auf das Gewölbe des Raumes, als wolle es sagen:
Komm mir bloß nicht zu nah, mein Himmlischer!
Grün rutsche nervös auf seinem Sitz herum und senkte den Blick beschämt auf den Boden.
Rosa und Orange tuschelten nur kichernd hinter vorgehaltener Hand.
Mit einem Mal stand Purpur auf und schob den Stuhl nach hinten. Mit fester Stimme befahl es: Lasst uns beginnen!

In dieser Sekunde oeffnete sich die Tuer und Blasslila laechelte verschaemt in die Runde. Es wusste, dass es wieder einmal zu spaet kam. Still legte es seinen Schleier auf den leeren Stuhl und setzte sich, ohne auch nur aufzuschauen. Es wusste, dass die anderen sein staendiges Zuspaetkommen zum Anlass nahmen, hinter seinem Ruecken zu laestern. Manche nannten es gar das destillierte Lila, weil es beinahe farblos aussah. Doch neben dem Regengrau, glaubte es, fiele es nie so extrem auf.

Ein leises Murren durchzog die Versammlung, und Blasslila nahm die aufkommende kurze Unruhe zum Anlass, seinen Nachbarn zu fragen: Habt ihr schon angefangen?
Regengrau durchfuhr ein Schauer. Es schnellte von seinem Sitz wie vom Hagel gestochen hoch, packte seinen Schleier und hastete zum Ausgang.
Von dort donnerte es zu den verdutzten Kameradinnenen hinueber: Jetzt wird es mir aber zu bunt hier!







Dienstag, 10. April 2018

Endlich Vollsonne!



Verstohlen geht die Sonne auf,
ihr Blinzeln folgt noch zartem Streif.
Auf Wiesen schmust der Tau mit Reif
und nimmt die Spannerei in Kauf.

Der Borderline, der kühlen Nacht,
getaucht in Schwarz und Watteweiß,
entspringt ein goldnes Flimmern. Leis
hat dies den neuen Tag entfacht.

Sie tönt und färbt, bemalt die Welt,
legt bunte Laken auf das Land,
vertreibt den kalten Vollmondmann,

gleißt über Schatten. Dem gefällt
ihr schrilles Spiel, er grüßt galant.
Und Frühling knippst die Leuchten an.

Mittwoch, 28. März 2018

Engel können doch fliegen!



Heut morgen glitt ich aus der Türe,
gleich einem ungeschickten Tiere,
das grad geboren Laufen übt.
Und damit nicht genug: Ich rang
nur kurz mit Eis, im Grunde bang
erahnend, wer da jetzt wohl fliegt.

Pardauz! Prompt hoben sich die Beine
(ein jedes ganz für sich alleine).
Im Gleichklang schwangen sich empor
erst rechts die Hax und gleich drauf links
schier flügellos und schlechterdings,
als ich mein Gleichgewicht verlor.

Knapp fing ich mich mit einer Hand.
Der Rest ruht nun im Streckverband.

Statt Blumen

Sie hatten sich zusammengeschlossen.
Nicht, um an den Verstorbenen zu erinnern, sondern in Verweigerung. Sobald sie sein Grab berührten, zerfielen sie zu einer weichen braune Masse.
Seine Witwe begriff sofort, warum ausnahmslos keine der Blumen bereit war, dieses Plätzchen Erde zu schmücken. In ihrer Erinnerung betrachtete sie seinen einstigen Garten – eine Graswüste. Nicht eine einzige Blüte wagte es, sich in diese Einöde zu verirren, in der selbst dem Rasen nur ein paar winzige Millimeter Licht vergönnt war. 
"Farben stören die Ästhetik", sagte er mal, als er auf der schmucklosen Marmorterrasse seinen Abenddrink zu sich nahm. Sie hatte geschwiegen, nur eine Seite in ihrem Buch weitergeblättert.
Ein anderes Mal gingen sie spazieren. Da tobte er einen Feldweg entlang, zertrat wahllos  Löwenzahn, Wegwarte und zerrieb sogar die winzigen Sternchen der Vogelmiere unter seinen massigen Schuhsohlen. 
"Banausen! Dreckige Bauern!", schrie er indessen und seine Frau verweigerte ihm fortan weitere Ausflüge.
Jetzt war er tot. Sein Grab, nicht mehr als ein nackter Buckel. Wind und Regen würden ihn bald geebnet haben.
Die Witwe hatte Haus und Garten schon inseriert. 
Darunter befand sich anstatt einer Traueranzeige eine Danksagung.

Einkehr

Der Tag verschlingt sein Gnadenbrot,
es duftet nach Vanille.
Die Kirchturmspitze sticht ins Rot,
und endlos senkt sich Stille.

Ein Hoftor knarrt. Kaum hörbar naht
mein Herz durch letzte Lichte.
Dieweil durchflutet Silberdraht
den Weg zur alten Fichte.

Wir gehen schweigend Hand in Hand.
Der Mond zieht für die Nacht
den Vorhang zu mit schwarzem Band,
hats Hoftor zugemacht.

Freitag, 1. September 2017

Sterngucker

Der Mond verschwimmt in Dunst getaucht
aus zarten Nebelschwaden.
Mir scheint, dass er ein Pfeifchen raucht
mit seinen Kameraden,

die ebenso in Grau getunkt
dort weltentrunken plinkern.
Und einer gar, der mondwärts funkt,
pflückt sich dein liebes Zwinkern.

Dienstag, 2. Mai 2017

Himmelblau

Eichhörnchen starrte in den Morgenhimmel. Wie jeden Tag suchte Eichhörnchen nach dem Lieblingswort des Tages, das ihm Freude machte, Angst in Wunder zu wandeln vermochte und mit dem es lachen und herumtollen konnte.
Da war es auch schon. Ganz oben zwischen den Wipfeln der Fichten lugte es hervor, das Lieblingswort: Himmelblau. Eichhörnchen klatschte vor Freude in die Pfötchen. Ein himmelblaues Tageslieblingswort.
Für jeden Bauchredner eine Herausforderung, aber für Eichhörnchen das wunderschönste Wort der Welt für einen Tag. Genüsslich formte Eichhörnchen jeden einzelnen Buchstaben: es hauchte ein h, lächelte ein i, genoss gleich zweimal das m und ploppte nach kurzem Anlauf über el schließlich das blau mit geschlossenen Augen zwischen den beiden Schneidezähnchen mittels seiner Zunge heraus - bllllau.
Bald schon sprang es über den sandigen Waldweg hin zu den Moosbuckeln. Dort stand seine Lieblingstanne, der es sofort erzählen musste, welches heute sein Lieblingswort sei.
„Himmelblau“, rief Eichhörnchen, kaum dass es den Wald erreicht hatte. Die Tanne nickte wie alle Tage und breitete ihre Äste, damit Eichhörnchen leichter hinaufklettern konnte.
Egal, was heute geschehen mochte, dachte Eichhörnchen, ihm könne nichts etwas anhaben. Regnet es, dann sage ich einfach himmelblau und der Regen wird mir Lieder singen. Trampeln belehrend Naturbesessene durch den Wald, sage ich einfach himmelblau und tanze solange vor ihren Augen über den Waldweg, bis sie ganz stille geworden weiterwandern. Ich glaube, Eichhörnchen war heute das glücklichste aller Eichhörnchen.
Während Eichhörnchen nun dort oben in der Tanne saß und sein Lieblingswort ein ums andere Mal vor sich hersagte, schraubte sich eine fette Hummel zwischen den Ästen hindurch nach oben. Sie war schon seit Sonnenaufgang unterwegs auf der Suche nach Essbarem und hatte bislang nichts finden können. Sie fühlte sich völlig zerbrummt und beinahe knurrte sie vor Ärger lauter als ihr Magen. Erschöpft landete Hummel auf einem Ast, nahe dem, auf dem Eichhörnchen saß. Das hatte vor lauter Entzückung über sein neues Lieblingswort nichts von Hummels Ankunft mitbekommen. Wie in Trance flüsterte es sein „Himmelblau“ vor sich hin und kicherte leise.
Zur Hälfte noch mit ihrem Ärger über das unerreichbare Frühstück beschäftigt, hörte Hummel mit der anderen Hälfte jemanden im Geäst mit sich selbst reden.
Aus den Augenwinkeln entdeckte sie Eichhörnchen, wie es kichernd vor sich hinplapperte. Hummel vernahm wie auf einer Perlenschnur aufgereiht immer dieselben Worte. Wieder und wieder. Ob Eichhörnchen sich lustig über sie machte? Hummel krauste die Stirn und vermeinte den Sinn der Worte auch mit einem halben Ohr zu verstehen. „Hummel-Sau, Hummel-Sau“.
Das war zu viel! So etwas sagte niemand zu ihr! Erbost setzte Hummel zum Anflug an und stieß sich mit vollem Körpereinsatz vom Ast ab.

Hummel brummelte, knurrte und verharrte einen lausig langen Augenblick vor den neugierig dreinschauenden Blicken Eichhörnchens. Ihre Flügel rotierten wie die eines Propellers. Ha, dachte sie, doofe Naturbesessene glauben, ich könne gar nicht fliegen, weil ich zu schwer sei, aber denen werde ichs zeigen! Dem Eichhörnchen werde ichs auch zeigen! Der ganzen Welt werde ichs zeigen! Da! Eichhörnchen sagte schon wieder „Hummel-Sau“!
Es reichte. Als Hummel glaubte, Eichhörnchen sei genug verängstigt, stieß sie zu. Genau auf die Mitte, Eichhörnchens Nasenspitze. Bumm!
Eichhörnchen nieste vor Schreck. Hummel kurbelte mit Kopfweh im Sturzflug zurück auf den Waldboden.
Was war nur in diese Hummel gefahren? War die etwa blind? Eichhörnchen starrte dem abstürzenden Ding verwundert hinterher. Hoffentlich hat sie sich nicht verletzt, dachte es weiter, und stammelte dabei einige Male sein „Himmelblau“. Das beruhigte.
Als es den Stamm der alten Kiefer hinabgeklettert war, sah es sich um. Zwischen  zweieinhalb Laubblättern, die von der Eiche in einigen Metern Entfernung letzten Herbst gefallen waren und die der Wind unter die Kiefer zum Ausruhen geweht hatte, entdeckte es Hummel.
„Hummel!“, rief Eichhörnchen, „um Hummels Willen, Hummel! Hast du dir wehgetan?“
Hummel hob den Kopf, deutete auf eine dicke Beule an der Stirn und flüsterte angestrengt: „Nein. Ich sammle darin nur Erfahrungen.“
Eichhörnchen nahm zwei der zweieinhalb Blätter und deckte Hummel damit zu. „Ruh dich ein wenig aus, Hummel“, flüsterte es besorgt. Und weil unter den Blättern Frühlingsblüten zum Vorschein gekommen waren, hielt es Hummel die Trichterblüten an den Rüssel, damit sie sich stärke.
Hummel staunte nicht schlecht. Dieses unverschämte Eichhörnchen, das eben noch Schmählaute gegen sie ausgestoßen hatte, brachte ihr das, wonach sie seit Stunden gesucht hatte?
Dankbar nahm sie die Gabe an, denn der Hunger war inzwischen unerträglich geworden. Eichhörnchen freute sich und berichtete Hummel nun von seinem Lieblingswort, vergaß auch nicht, es beständig zu wiederholen. Hummel schämte sich ein bisschen, aber es dauerte nicht lange und sie tollten gemeinsam durch den Wald.
Am Abend fragte Eichhörnchen Hummel: „Freunde?“
Hummel überlegte nicht lange. „Klar!“ lachte sie und brummelte auf dem Heimweg leise vor sich hin: „Himm- mmel-blllau … him- mmmel- blllau“

Donnerstag, 25. August 2016

Natur pur

Unlängst hinterm Komposthaufen,
wo sich fette Maden raufen,
hockte eine Zauneidechse.
Sie verharrte ohne Worte
schier verblüfft an jenem Orte,
ohne jegliche Reflexe.

Von der Mauer (in der Nähe)
äugte eine Nebelkrähe,
schwieg in angespannter Pose.
Mir verging bei dem Gegaffe
Druck und Drang von Tee und Kaffe,
zog sie wieder hoch, die Hose.


Dienstag, 22. Dezember 2015

November eben

Unten Autos, oben Krähen
zwischendrin ist nichts zu sehen,
Nebel quillt und wallt.

Lichter schneiden schmale Bahnen,
Wege gilt es zu erahnen
mittendrin im Spalt.

Und darüber krächzen, lachen,
wie, wenn sie sich lustig machen,
Krähen  - Krähen halt.

Freitag, 13. November 2015

Así es

Hacer que me dice mi corazón - es vivir. 
Lo contrario fuera nada más que morir.

Dienstag, 29. September 2015

Neige

Erst gestern glomm noch Licht im Traubensaft,
fing Sonnenglanz sich im Septemberlaub.
Seit heute scheint der Prunk hinweggerafft,
ward Frucht um Frucht des kühlen Windes Raub.

Und feuchte Wolkenberge türmen grau,
wo du, der Maler, bunt die Linde färbst.
Ich starre sehnsuchtsvoll ins Himmelblau
und weiß gewiss: Es ist schon wieder Herbst.

Dienstag, 7. Juli 2015

Action!

Wo Wille nur ein Wille ist,
verharrt der Mensch als Idealist.
Folgt weder Tat noch Schritt auf Schritt,
gibt dir dein Leben einen Tritt.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Rabenlied

Wie doch die Eichen knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Und über ihnen gellt des Raben schrilles Krächzen.
Die Dunkelheit, fast Schwärze, trägt ihr Abendkleid.

Aus finstren Wolken, die bedrohlich Berge türmen,
weht er, der Sammler, hält mir seinen Monolog.
Die Nacht jagt Himmel, bläht sich auf, verrauscht in Stürmen.
Ich sah den Raben wieder, den, der über Eichen flog.

Von Wehmut, die uns manches Mal ereilt auf Erden,
erzählte er mir einst am Fensterbrett und sang
das Lied von der Unendlichkeit, vom Gehen, Werden.
Dann hob er ab. Die Flügel fauchten Sturm und Drang.

Und mittendrin, im Lied von Ewigkeit und Trauer,
sang er vom Leben, sang von wildem Mut.
Er rief mir zu, es wäre nichts von ew'ger Dauer;
letztendlich wäre auch am Abschied etwas gut.


Die Eichen, wie sie knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Dort über ihnen gellt des Raben Ruf, kein Krächzen,
und Dunkelheit, fast Schwärze, trägt sein Abendkleid.

Freitag, 8. Mai 2015

Auf Wiedersehen, geliebte Freundin


Am Tore steht ein wilder Typ,
strahlt mich aus lichten Augen an.
Er steht auf einem Zeh,
als schwebe er, mein Andersmann!

Dahinter ruht im Morgendunst
ein See, ein blauer See.
Darauf zwei Schwäne, weiß wie Schnee, 
gleich einem Bild von edler Kunst.

In seinem Arm - ohn Ach und Weh -
die Ewigkeit: mein Lieb.

13. August 1966 - 25. April 2015

"Er wartet unter einem Tor auf mich, mein Andersmann." (Silvi)

Freitag, 1. Mai 2015

Um Mitternacht

Im Mai stahl sich ein Stern aus einem Bettbezug;
als Bote kam er übers Dach gestiegen,
verkündete: "Ein Gruß von ihm!" per Funkenflug -
nur dies - ansonsten hat sein Mund geschwiegen.

Ein Gruß von dir. Bescheiden hielt ich ihm die Hand,
nicht zu ergreifen, vielmehr zu erahnen,
entgegen. So, als seien wir ein Leben lang bekannt.
Ein Weilchen zogen wir vereint am Himmel Bahnen.

In jener Nacht glomm dieser Stern (nur für uns zwei)
ein paar Minuten länger, sondergleichen:
ein Funkelstern um Mitternacht im neuen Mai.
Und mir gelang, ihm eine Hand zu reichen.

1. Mai

Donnerstag, 23. April 2015

Aprilpesto + Rezept


Dem morgendlichen Streifzug (heute sogar mit Specht) folgte ------------->



Pesto:


- Knoblauchrauke
- Vogelmiere
- Olivenöl
- 1 Teel.Arganöl
- Salz
- 1 Teel. Kräutersirup
- Mandeln
- Walnüsse

pürieren + genießen 
(manchmal mit Nudeln, heute aufs Brot/Marke Eigenback)





-satt-




Montag, 20. April 2015

Abgang


Medievale Fratzen sägen
an weißen Schenkeln,
weiden sich am Schwartestumpf,
sezieren, zerrupfen
epidermisblau, blutgestockt
den Schoß.
Hirn-Einmaster-schnipsend
ergötzt sich das Monsterknäuel
an schwärenden Qualen.
Eine feiste Lügenvisage
schreit rudernd
aus zungenentleertem Mund,
Mund, und ...

Erschöpft verschwenden sich
letzte Blicke
an gedoppelte Paeonia,
fängt sich Sonnenlicht
in gewebtem Kristallschleier.
Möbel knacken urgroßmütterlich.
Die Standuhr vertickt -
Lebenszeit.

Eine Fliege klatscht gegen Fensterglas -
Glas, las, aas...s.
Blüten splittern zur
Stille im Schaukelstuhl.

Diabolisch

Lustschlösser erbrachen Regenbögen.
Lippenbekenntnisse verdrehten Farben;
sie kotzten devot im Hündischen.
Scheelsüchtig gebar eine Missgunst

die Niedertracht.
Resigniert.
An zerbissener
 Unterlippe

nagte übermächtige Angst
vor Kontrollverrat.

Brüskierend blumig
tobte die Leidenschaft
auf der anderen,
der abgewandten Seite.

Und der Wurm kettete sich ans Gestänge,
wand sich in seiner Pein.
Abgedroschen wimmerte er
gen Uteri - und
war dieser Teufel längst
zum Teufel.

Montag, 2. März 2015

Bei Nacht

https://www.youtube.com/watch?v=VMuWOdIF6As

Dem Sternenmeer entspringt aus tiefster Nacht
geschäumte Glut, in der die Träume fließen.
Sie wallen unscheinbar und plaudern weise,
indes der Mond die Schleier mit Bedacht
um unsre Blicke webt, sie zu verschließen.
Auf seinen Wogen gehen wir auf Reise.

Dem Schlummer gilt die wundersamste Reise,
die süßeste, die sie uns schenkt, die Nacht.
Auf Flügeln, die uns schützen und umschließen,
derweilen Traumgestalten überfließen,
hält oben über allem einer Wacht
und lächelt ein ums andre Mal und weise.

Er schaut herab auf seine eigne Weise,
kennt jede Tücke dieser stillen Reise,
streicht Decken glatt, berührt die Kissen sacht,
ist Herrin wie auch Herr, der Mond der Nacht,
in der die hellen Meere überfließen,
das Tor des Tages zu verschließen.

Der Schlaf will nun die laute Welt verschließen,
die Stunden, die zermürbten, die nicht weise.
Erst wenn die Träume ineinanderfließen
gleich einer unbekannt gewordnen Reise,
sich Ruhe sehnt nach sternbekränzter Nacht,
wird dir ein neues Sternenlicht entfacht.

Bist du betrübt und traurig, Freund, gib Acht,
beschau die Weite dir beim Fensterschließen
in mondenvoller, sternenklarer Nacht.
Sie schenkt dir Antworten, denn sie ist weise.
Begleite sie auf ihrer weiten Reise
und spüre die Bedeutungen zerfließen.

Tu es den Flüssen gleich, die stetig fließen
wohin das Bett sie lenkt in ihrer Pracht.
Sie murmeln, strömen, ruhen auf der Reise,
beim Sich-Erholen, beim Zusammenschließen.
Dein Schlaf ist Sammlung, die am Morgen weise
verankert, was empfohlen dir bei Nacht.

Du stille Nacht, in der die Träume fließen,
in deren Weise ich manch Mond verbracht!
Dich zu erschließen, führt mich auf der Reise.

Samstag, 28. Februar 2015

Fotostrecke

Mein Kind, wir sind aus jenen Jahren,
wo Werbebilder blütenweiß,
die Menschen aber schmutzig waren
von Schinderei, Tortur und Fleiß.
Und Bild um Bild wird bald vergreisen,
der Himmel ist schon fast verblasst.
Vergilbte Fotos unsrer Reisen,
beweisen dir: Wir waren Gast,
zu Gast im Farblos, Grau, im Matten;
für Kunterbuntes wars zu früh.
Es gab nur Sonnenlicht und Schatten,
was unsern Bildern Leben lieh.

Samstag, 24. Januar 2015

Die Affären des Don Käfernova

Es war einmal ein Käfer,

der glaubte an die Liebe,
dacht‘ Käferinnen träf er,
von denen eine bliebe.
Die erste, das Mariechen,
die wusste zu becircen.
Er mocht‘ sie nur nicht riechen,
hob sie die Kittelschürzen.
Die nächste hatte Hörner
und war ganz gegen Chemo,
sie fraß jedoch nur Körner,
und lief zu jeder Demo.
Doch dann kam sie, die Rechte,
der Knaller, ne ganz harte,
die wochenlang nur zechte –
als Mann sich offenbarte.
Ich gebe auf, so dachte
der Krabbler auf der Wiese;
im Wassergraben lachte
derweilen albern – Liese.
Nach langer schwerer Suche,
da landete ganz sachte
sein Traum bei einer Buche,
sie war so schön – die Achte.
Bei der muss er nun bleiben,
dort auf dem Bahngelände,
denn ich hör auf zu schreiben:
Aus – Schluss - Vorbei und ENDE!

Ruhe

Ein Rohrspatz sprach zur Nachtigall,
sie störe seine Muße.
Sie fragte ihn: "Gesetzt den Fall,
ich schwiege, täte Buße,
wer sänge dann?" Gar fürchterlich
schrie da der Rohrspatz : "Ich – ich - ich!"

Samstag, 17. Januar 2015

Pferd und Esel


Ein stolzer Rappe und ein alter Esel trabten an einem warmen Sommertag gen Sonnenuntergang. Unter ihren Hufen wirbelte der Staub der Straße in dichten Schwaden; Schweiß rann ihnen von der Stirn.
Mit einem Mal hub der Rappe zu reden an.
„Esel,“ sprach er, „du dummer Esel solltest hinter mir bleiben! Es geziemt sich nicht für einen wie dich, in der ersten Reihe zu marschieren.“
Der Esel, der dem stolzen Begleiter um einen Schritt vorausgewesen war, hielt inne.
„I aaaa“, erwiderte er kurz und senkte demütig den Kopf.
Der Rappe verdrehte die Augen, erhob seinen Blick zum Himmel und schnaubte.
Der Esel, der stehengeblieben war, schaute hinterher, wie der Gaul in die Schlucht stürzte, die sich wenige Schritte weiter vor ihnen aufgetan hatte.

Dienstag, 6. Januar 2015

Ein Kuss

Lerchen streifen Wolkenherden,
eine Krähe pickt im Feld
und der Ruf des Kuckucks gellt
bei den Schafen, bei den Pferden.

Siehst du uns im Grase liegen?
Leise plätschert unser Bach.
Hörst du auch mein leises “Ach,
sieh nur, wie die Schwalben fliegen”?

Oder bist du eingeschlafen?
Ich schau auf und weil ich muss,
gebe ich dir einen Kuss,
auf der Wiese, bei den Schafen.


Montag, 5. Januar 2015

Vom Reh

Der Jäger schoss ein Reh auf einem Acker.
Das stand nur da und kaute stumm an Stängeln.
Und der da schoss, der fühlte cool sich, wacker,
fernab von Schuldgefühl, Defekten, Mängeln.

Zum Schlachtefest (man weiß, dies folgt dem Schuss)
wünsch ich ihm Übelkeit und Darmverschluss.

Samstag, 3. Januar 2015

Schlechte Aussichten

Sie war am Ende. Kein Mann weit und breit weckte noch ihr Interesse. 
Irgendwann muss Schluss sein, dachte sie. Was für ein Theater, und alles nur, weil sie irgendwann mal geboren worden war! Dieses Getue um Liebe ging ihr auf den Nerv. Sie fühlte sich fehlgeleitet, verarscht von einer Idee, die alle Menschen befiel, sobald sie zu pubertieren begannen.
Liebe, dachte sie. Liebe!  Ein chemischer Vorgang, der das Aussterben der Menschheit verhindern soll! Für den Fortbestand ihrer Sippe hatte sie gesorgt. Ihre Pflicht war erfüllt.
Männer waren kein Geheimnis mehr. Deren Werbeversuche entlockten ihr nur ein mitleidiges Grinsen. Mit den Jahren erschienen sogar die immer geistloser.
Nun hockte sie auf einem Felsen, ohne den dieser Strand an Romantik eingebüßt hätte und beglotzte das Meer. Seit Stunden starrte sie auf die Wellen und wie diese mit gähnender Monotonie ans Ufer schwappten.
Und dann kam er. 
Seine Augen leuchteten in der Farbe des Meeres. Sie strahlten wie die gerade untergehende Sonne. Langes Haar wallte über die breiten Schultern. Der Wind frischte auf. 
Er sprach sie an!
„Hier, deine Brille. Die hast du im Zelt vergessen. Kommst du? Wir wollen jetzt grillen, Oma.“

Freud und Leid ...

Es war an einem Sonntag im Mai. Die Sonne schien vom Himmel herab, als hätte sie Geburtstag. Fröhlich spielten ihre Strahlen auf der Waldlichtung und trafen auf einen Fuchs.
„Guten Morgen, Sonne“, rief der ihr entgegen. „Ihr scheint heute so hell, dass mir schier die Äuglein weh tun!“
Die Sonne lächelte und antwortete: „Ihr tretet aus dem Schatten in mein Reich und beschwert euch darüber? So geht doch zurück unter die Bäume! Dort ist es schattig und kühl.“
Verärgert wendete sich der Fuchs ab und verschwand im Wald.
Ein Schuss krachte. Etwas Rotes fiel ins Moos.
Der Jäger war zufrieden.

Vom Gärtner

Ein Mauerblümchen fristete sein Dasein am Fuße einer alten Ruine.
Eines Tages erschien ein Mann und beschloss in der Nachbarschaft einen Garten anzulegen. Bald blühten dort wunderschöne Rosen. 
Das Mauerblümchen freute sich anfangs über die Gesellschaft. Jedoch musste es feststellen, dass die Rosen es nicht wahrnahmen. Da reifte sein Entschluss zu blühen wie die stolzen Rosen. Von Tag zu Tag gelang ihm dies besser, auch wenn die Anstrengung Rosenblätter nachzuahmen seine ganze Kraft kostete. Wie freute es sich, als der Gärtner es endlich entdeckte!
Der nahm es mit den Worten „Du bist hier falsch!“ beim Schopf und riss es aus.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Macht mal

Die Welt drängt sich mir ständig auf,
als wär sie nicht gleichwohl
ein Rennen bis zum Zieleinlauf
und dann - am Ende hohl.

Der Mensch sucht Liebe bis zum Schluss,
als wär sie der Garant
für Ewigkeit. Welch Sockenschuss!
Der hat sich wohl verrannt?

Ach, rennt nur, rennt bis hin zum Tag,
an dem ihr umfallt, puff!
Ich bleibe hier, weil ich nicht mag,
und gehe auch einst druff.