Mittwoch, 12. November 2014

Geschwafel (Sestine)

Nichts pflegt er lieber als den Selbstbetrug.
Der Mensch ist ein Gewirr gestrandeter Versprechen,
kein Tier, im besten Fall entbehrliches Gesindel,
dem es gelang aus der Entwicklung auszubrechen.
Sein Lebensziel erstreitet er mit Lug.
Er schöpft aus Täuschung, Gaunereien, Nepp und Schwindel.

Als ginge es ihm ganz allein darum, durch schwindel-
erregenden und reichlich Selbstbetrug
den Sinn der Worte neu zu prägen. Lug
und Sinnverzerrungen verdrehen sein Versprechen.
Selbst wenn die Fälscher anfangs schüchtern radebrechen,
ihr Mittelsmann wirft's lauthals unter das Gesindel.

Erstarrt ob dieses weisen Akts fragt das Gesindel
nicht nach (die werden das schon wissen!), und der Schwindel
bereitet neu ein Fundament, auf dem Verbrechen
begangen werden, strotzt vor Selbstbetrug.
Wir scheuen nicht davor zurück, ihn auszusprechen,
sind im Begriff gefangen, jenem Lug.

Welch abderitisches Geschwätz und Lug!
In irrem Ungestüm betrügt sich das Gesindel!
Vermag ein Mensch auch nur im eignen Raum zu sprechen,
sucht er nach Selbsterhöhung und erliegt dem Schwindel.
Der Untertan, er lechzt nach Selbstbetrug.
Zu selten glückt es ihm, aus allem auszubrechen.

Er formuliert so gern. Er schwätzt bis zum Erbrechen.
Zwar wittert sein Gewissen diesen Lug,
erkennt den überhöhten Selbstbetrug ...
Und dennoch: In Gemeinschaft stärkt sich das Gesindel.
Vereint palavert es und steigert sich in schwindel-
erregenden und autogenen Heilsversprechen.

Der Mensch erlernt das Sprechen, um sein Wort zu brechen.
Vermittels Schwindelei und Täuschung und mit Lug,
krönt das Gesindel sich (und mit ihm: ich) den Selbstbetrug.




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