Sonntag, 23. April 2017

Mutter - Land

Die Grille zirpt Ins Feld gespannt
Ihr Abendlied Der Sonne Lauf
Am blauen See Die Habsucht wirbt
Der Mensch verdirbt Fürs Vaterland
Wo nichts mehr blüht Gehn Gräben auf
Wie eh und je Der Ton erstirbt

Sonntag, 9. April 2017

Das Meer trägt viele Namen

Sie schütteln die Mähnen, die Meereslöwen
und rütteln an Booten, Kähnen und Schiffen.
Den Sturmwind durchschneiden schreiende Möwen.

Der Wind heult, die Gischt tobt an Felsenriffen,
peitscht ohrenbetäubend auf Stein, auf Klippen
und rüttelt an Booten, Kähnen und Schiffen.

Dies Heben und Fallen - beständiges Wippen
auf wälzenden Wogen! Sie überschäumen
die lautlosen Schreie, splittern an Klippen.

Was nützt, gegen Stürme sich aufzubäumen?
Denn jedem Begehr folgen neue Brecher,
die berstenden Splitter zu überschäumen.

Dein Bett ist zerwühlt, Kindlein, immer schwächer
die Ärmchen; und dieses Meer muss rumoren.
Und jedem Begehr folgen neue Brecher.

Am Strand liegt ein Rettungsring, liegt verloren.
Sie schütteln die Mähnen, die Meereslöwen.
Die Ärmchen erschlafft. Das Meer muss rumoren.
Den Sturmwind durchschneiden schreiende Möwen.

Für Mostafa S.

Mittwoch, 5. April 2017

Ach herrje, herrjemine!

Des Sonntags trägt manch Nönnchen Mieder - 
und kniet dabei vor Mönchen nieder.
Sie strebt, das Priesterlein zu wecken,
um drauf vom süßen Wein zu lecken.

Der Abt betritt den Raum und schimpft,
spuckt gallegelben Schaum und rümpft
die Nas. " Ihr seid der Braven Schande,
bei allen treuen Schafen! Bande!

Sollt ihr nicht bei der Kanzel frommen …?"
(Auwei, er hört den Franzl kommen!)
Durch Dirnen, die am Günter hangen,
fühlt er sich schändlichst hintergangen.

"Gut wärs wenn ihr mal Buße tätet
und hier nicht nur zur Tusse betet".
Alsgleich - die Brüder falten Hände,
weil man so Gott im Halten fände!

Statt dass am Rock sie lüstern flauschen,
muss nun der Beichtstuhl Flüstern lauschen.


Montag, 3. April 2017

Altersweisheit - ein Irrglaube

Ein Leben lang hat er sich durchgebissen.
Vergilbt - die Fotos. Letzte Stunden weichen …
Er spielt im Schrebergarten mit den Wasserschläuchen;
dem Körper und dem Kopf fehlst an Ergüssen.

Ach, könnte er nur einmal noch Narzissen
vom stolzen Stängel reißen und dergleichen!
Er fühlt sich zwar nicht wie die Vogelscheuchen
und neidet doch den Stachel den Hornissen.

Als Beispiel nur von vielen Parasiten
schafft seine eignen Welten er und Mythen
und schießt aufs Sonnenlicht mit Platzpatronen.

So lasst den Spinner träumen bei den Hummeln!
Er wird nie mehr an Rosenblättern fummeln.
Der wiederkäut nur Schalen von Zitronen.

Mittwoch, 29. März 2017

Vom Röhrenden

Die Hirsche tragen Kurzarm-Shirts und posen
auf Lichtungen in Knickerbocker- Hosen.
Wie stolz sie die Geweihe präsentieren
und leidenschaftlich auf die Hinden* stieren!
 
Sieh: Einer winkelt gar sein Vorderbein!
Was bildet dieser Schnösel sich blo‪ß‬ ein?
Der schaut schon so wie "born to kill"!
Warum er's tut?
April! April!




*Hirschkühe

Sonntag, 5. März 2017

Ein Anflug von Grün


1. Bild

Als Federstrich nur entstehen Konturen.
Wo gestern im Schneeweh Rehe erfroren,
ward mitten im Sturm ein Kindlein geboren.
Zur Mitternacht. Mondlos. Unter Torturen.

Brachiale Attacke; winzig, die Spuren!
Nur Nebel im Kopf, vermeintlich verloren.
Es grub sich ins Licht zum Leben erkoren.
Welch kraftvoller Trieb - Garant der Kulturen.

Die Rehe? - Vergessen. - Alles nur schaut
aufs Kindlein. Ach, wie vorm Kindlein mir graut!
Kurz brüllt es, dann schweigt es unter den Hecken.

Was nächtens dir grau erscheint, wird bei Tage
geweckt, raunt der Wind. Es klart bereits vage
auf Winters Gebilden schlohweißer Flecken.

2. Bild

Des Winters Gebilde schlohweißer Flecken
zeigt Risse, in denen Fühler sich spitzen,
gleich Nadeln, die schmal im Faltenwurf blitzen.
Besonnen erscheinen sie aus Verstecken.

Versuche, das Grün mit Eis zu bedecken,
gelingen nur nachts. Dies wird nichts mehr nützen -
der Tag sieht den Lenz am Wiesenrain sitzen
und nimmt jenen letzten Stunden den Schrecken.

Das Dasein gebiert, Gebor'nes wird sterben,
wird dennoch, trotz aller Narben und Kerben,
das Neue in sich alltäglich erwecken.

Berauscht vom Beginn, dem Licht nach den Nächten,
befreit sich das Land von finsteren Mächten.
Beschwingter Gesang beflügelt die Becken.

3. Bild

Beschwingter Gesang beflügelt die Becken.
Ein Rinnsal quillt über Moos und Rabatten.
Der Eichkater sucht die Katz zu begatten,
derweilen am Weiher Biber sich necken.

Vom Hof tönt Gegacker. Dort schreitet im kecken
und schneidigen Schritt ein Hahn auf die Platten;
tut stolz wie ein Pfau. Die Hennen im Schatten
verwundern sich sehr: Was will der bezwecken?

Kaum lockt mal die Sonne, spielen die meisten
verrückt, wagten tollkühn sich zu erdreisten,
verdrehten vor Eifer sämtliche Uhren!

Recht flüchtig erwärmt das Himmelsgestirn
mit Strahlen, kaum mehr als brüchiger Zwirn,
die Flüsse und Wälder und Kreaturen.

4. Bild

Wie Flüsse und Wälder und Kreaturen
sind Schößlinge auf dem Sprung zu erwachen.
Indessen die Zeit drängt weiterzumachen,
erträumen sich Zweige und Äste Frisuren.

Die Weide am Waldsee ringt um Strukturen,
weshalben sich Fichten biegen vor Lachen.
Ein Windstoß. Die Äste knicken und krachen.
Gelächter? Verstummt. Was bleibt, sind Frakturen.

Verletzte Gefühle, brennende Wunden -
von gleicher Gestalt, durch Schmerzen verbunden.
Die wenigsten enden ohne Gravuren.

Gedeihen wird, was auf Liebe basiert,
zudem, wenn der junge Frühling regiert,
am Ende, zum Beispiel, solcher Zäsuren!

 5. Bild

Am Ende, natürlich, solcher Zäsuren,
eröffnet der Neubeginn seine Türen.
Er lässt sich auf Märzen durchaus datieren,
erkennbar mithin am Fasten und Kuren.

Der Erde entspringen Miniaturen,
den Küssen am Gartenzaun eigne Manieren.
Der Hauch dieses Auftakts ist zu erspüren.
Vergessen sind fast des Winters Blessuren.

Der Mensch strebt danach, das Land zu bewandern,
den Feldweg entlang durchs Luch zu mäandern
und will mit Passion den Frühling erschmecken.

Er trägt seinen Mantel, oben geschlossen,
sucht Farben im Grase schier unverdrossen,
wo sonnige Blicke Weiten entdecken.

 6. Bild

Wo sonnige Blicke Weiten entdecken,
erhebt sich der Schleier eisiger Strenge.
Einst schillernder Glanz ward graues Gemenge;
vermehrt gewinnt Grün in sämtlichen Ecken.

Der Buchenwald tastet zu diesen Zwecken
mit Tausenden Augen sich aus der Enge.
Erwachendes Blinzeln in dem Gedränge
hofft endlich den Wandel ganz zu vollstrecken.

Wenn alles sich schmückt, macht Einer Sperenzchen,
verhagelt den Tag mit Fisimatenten,
kaum dass sich die ersten Frühblüher recken!

Noch warten die Blüten, warten die Kränzchen,
bis letztendlich mit Erfolgsargumenten
aus Knospen sich Blätter schälen und strecken.

7. Bild

Die Knospen und Blätter schälen und strecken
hervor ihr Gesicht - zu Kräften gekommen.
Betrachter verharren staunend benommen
vor Zweigen, die grüne Zahnreihen blecken.

Wer denkt da an Mücken, lästige Schnecken ...
Ihr meint jetzt, ich wäre voreingenommen?
Aus vielfachen Kehlen tönt ein "Willkommen!"
Gilt dies auch für Wespen, Läuse und Zecken?

Wir sehnen und träumen, glauben und hoffen,
frohlocken im Chor: Die Welt steht uns offen!
und sind doch nur ihre Karikaturen.

Erbarmungslos und mit rasenden Herzen,
entschlossen, die Winterzeit auszumerzen,
durchpflügen Geschöpfe sämtliche Fluren.


8. Bild

Durchpflügen Geschöpfe sämtliche Fluren,
klingt jedes Geräusch verändert im Wald.
Die Felder, so grau wie nackter Asphalt,
erheben sich erst mit Temperaturen.

Der Himmel wölbt blau, wölbt prächtig azuren.
"Ein Krokus, nein zwei! Nein dreie, nein - halt!"
Der Aufschrei, der schrill durchs Wäldchen erschallt,
ist Teil nur von vielen derlei Torturen.

Ick goh nu ierst recht, ehr dot ses zertrampeln,
tau Waldramse, Mier, wos dat nu al gifft,
unn Piplock - so heeßt in’t Ollmork de Lauch.

Unn denk: Lot se lopen, hampeln unn strampeln,
al Neeslang ward do de Jauch hinjeschifft
(dünkt my), von em Burn, dat will nu de Brauch.


Waldramse
: Bärlauch
Mier: Miere, insbes. Vogelmiere
Piplock: wilder Schnittlauch
Ollmork: Altmark


9. Bild

Der Bauer im Frühling, so ist der Brauch,
will heute den Hof und Stallungen fegen,
steht prüfend am Tor, von Westen droht Regen.
Der Hofhund hebts Bein am Flederbeerstrauch.

Vom Schornstein quillt schwerer würziger Rauch.
Im Schuppen das Buchenholz muss er sägen.
Die Kirchenuhr mahnt zum Mittag mit Schlägen;
wer schaffen soll, denkt er, braucht was im Bauch!

Zwei Schwalben erkunden altes Gemäuer,
ein Kater, halb blind, sonnt sich bei der Scheuer.
Es scheint, dass der nichts von Aufregung hält.

Der Plan für das Jahr steht fest, ist entschieden,
der Bauer kratzt sich den Nacken zufrieden,
erwägt seine Kosten, Saat ist bestellt.


10. Bild

Erwägt seine Kosten, Saat ist bestellt,
der Landmann schlurft übers Pflaster zum Stall.
Der, weiß er, steht vor dem sichren Verfall;
er schimpft, weil der Hund den Kater anbellt.

Gleich unter der Linde sitzt sie und pellt
Kartoffeln geübt mit scharfem Metall
und träumt von der Liebe, rein wie Kristall,
vom Licht, das spontan dem Himmel entfällt.

Wohin wird das Jahr uns dieses Mal treiben?
Wird's grundsätzlich anders oder so bleiben?
Und finden die Töchter endlich Kontakt?

Die Stalltür stöhnt auf, sie quietscht in den Zapfen,
Dahinter hört man den Bauersmann stapfen.
Nervös scharren Hufe uneins im Takt.

11. Bild

Nervös scharren Hufe uneins im Takt:
Hinaus in die Welt, dem Sturmwind empfehlen
im Drang, mit der Freiheit sich zu vermählen;
beschlossen ist längst der fällige Pakt!

Vor Stunden noch namenlos und abstrakt
bricht Grün aus dem Grau, das Land zu beseelen,
schießt wohlig dem Holz der Saft in die Kehlen,
verkündet den Lebenswillen intakt.

Grad eben noch brannte hell der Planet,
als deutlich ein Schlag Gewitter bezeigt.
Es gießt wie aus Kannen, wie aus dem Schlauch.

Das Wetter ist launisch, reizbar, verdreht
und zögert, wenngleich dem Lenz zugeneigt.
Noch dauert der Wechsel, ist nur ein Hauch.

12. Bild

Noch dauert der Wechsel, ist schier ein Hauch,
da treffen Spaghettiträgervertreter
in Fußgängerzonen, alle zehn Meter,
auf Lammfellmodell und Handschuhgebrauch.

Die eine zeigt Strick, die andere Bauch.
Na und, sagt er sich, wer denkt schon an später?
Die Fortpflanzung drängt, das weiß doch fast jeder,
das Lammfellmodell und die Bauchfreie auch!

Befürchten die einen Blasenentzündung,
begehren die zweiten Liebesverbindung,
mit jenem, der vorzugsweise gefällt.

Gedankenversunken fährt der Betrachter
nach Hause, vielleicht ein wenig bedachter.
In milder Erwartung wähnt er die Welt.

13. Bild

In milder Erwartung wähnt er die Welt:
Ein Kranich, entschlossen niederzugleiten,
beginnt unbeirrt das Feld zu durchschreiten.
Das ist noch vom Frost vernarbt und entstellt.

Sein Ruf, der als Echo wiederkehrt, gellt,
als spotte er dreist den Unwägbarkeiten.
Worüber die Menschlein grübeln derzeiten,
ach, einerlei, eigens selbst ausgewählt!

Er stelzt voller Anmut, stakst grenzenlos.
Sein Anblick gestaltet sich virtuos
gar dort, wo die Scholle öd liegt und nackt.

Mithilfe von filigranen Gebärden
liebkost er die selbstvergessenen Erden
und tüpfelt das Land behutsam smaragd.

14, Bild

Er tüpfelt das Land behutsam smaragd.
Aus blassgrauem Nebel ragen pastell
naiv ein paar Halme, wohl der Appell
Versprechen zu halten. Ein Artefakt.

Der Frühling entdeckt als Autodidakt
jetzt Illustrationen in Aquarell.
Aus seinen Gemälden gleißts licht und hell
und Sonnengelb tritt mit Grün in Kontakt.

Da färbt sich die Luft am Himmelszelt blau
und zahllose Blüten sind auf dem Sprung.
Ein Reh hier, eins dort, ein paar Korrekturen …

Ein Strichcode zieht über erdiges Rau
mit Wendigkeit und geschmeidigem Schwung.
Der goldene Strich belebt die Konturen.


15.  Bild

Mit Federstrich nur beleben Konturen
des Winters Gebilde schlohweißer Flecken.
Beschwingter Gesang beflügelt die Becken,
die Flüsse und Wälder und Kreaturen.

Am Ende, natürlich, solcher Zäsuren
wenn sonnige Blicke Weiten entdecken,
aus Knospen sich Blätter schälen und strecken,
durchpflügen Geschöpfe sämtliche Fluren.

Der Bauer hingegen, so ist der Brauch,
erwägt seine Kosten - Saat ist bestellt.
Nervös scharren Hufe uneins im Takt.

Noch dauert der Wechsel, ist schier ein Hauch.
In milder Erwartung wähnt er die Welt
und tüpfelt das Land behutsam smaragd.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Wiehnacht inne Ollemork


Drucken Wolken auk van droben,
brennen in Kaminen Kloben,
jault dä Wind syn Jammerlied,
kunn dä Winder mick nich schocken.
Ick bekieke syne Flocken,
freu mick up dä Wiehnachtstied.

Fief, sös Wochen noch, denn rolltse,
dä Familie, an, as wolltse
dem Jestöver rasch entfliehn.
För dat Fest heb ick jebacken,
Fisch jekokt und Swinenacken,
dat is nu ma so myn Spleen.

Wann denn allet upjefräten
bit up Knochen oder Jräten,
wern Jeschenke utjepellt.
Kalle jlänzt met Festjedichten,
Minnas Sprüche un Jeschichten
wern jeds Joar allwär vertellt.

Bed dahin hock ick am Fenster
un bekiek de Schneejespenster.
Nur dä Koter schleicht ums Been …
Wunderwitt san nun dä Fleggen.
Ohne solches, mod ick seggen,
wäre Wiehnacht half sau scheen.


Vör de Hochdütschen Lü:

Weihnacht in der Altmark

Drücken Wolken auch von oben,
brennen in Kaminen Kloben,
jault der Wind sein Jammerlied,
kann der Winter mich nicht schocken.
Ich beschaue seine Flocken,
freu mich auf die Weihnachtszeit.

Fünf, sechs Wochen noch dann rollt sie,
die Familie, an, als wollt sie
dem Gestöber rasch entfliehn.
Für das Fest hab ich gebacken,
Fisch gekocht und Schweinenacken,
das ist nun mal so mein Spleen.

Wenn dann alles aufgegessen
bis auf Knochen oder Gräten,
werden Geschenke ausgepackt.
Kalle glänzt mit Festgedichten,
Minnas Sprüche und Geschichten
werden jedes Jahr allwieder erzählt.

Bis dahin sitz ich am Fenster
und beschau die Schneegespenster.
Nur der Kater schleicht ums Bein …
Wunderweiß sind nun die Flächen.
Ohne solches muss ich sagen,
wäre Weihnacht halb so schön.

Donnerstag, 25. August 2016

Natur pur

Unlängst hinterm Komposthaufen,
wo sich fette Maden raufen,
hockte eine Zauneidechse.
Sie verharrte ohne Worte
schier verblüfft an jenem Orte,
ohne jegliche Reflexe.

Von der Mauer (in der Nähe)
äugte eine Nebelkrähe,
schwieg in angespannter Pose.
Mir verging bei dem Gegaffe
Druck und Drang von Tee und Kaffe,
zog sie wieder hoch, die Hose.


Mittwoch, 13. Januar 2016

Abgelauscht

Sie schwanken und knirschen, die Tannen, sie driften,
sie strecken die Leiber nach frostklaren Lüften,
mit wehenden Wipfeln den Himmel zu kosen.
Gleich Binsen meint man sie im Luftstrom sich biegen,
indessen darüber die Eisvögel fliegen
und Flocken sich betten auf Zweigen und Moosen.

Als plauderten sie - jenes seltsame Raunen.
Darinnen ein Ächzen und Stöhnen, Erstaunen!
Als schwätzten sie über des Januars Allüren. 

Derweil tausend Lichter auf Waldböden funkeln, 
pfeift eisig der Nordwind durch Tannen. Sie munkeln:
Des Winters Magie kam das Land zu berühren.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Dezember

Manchmal, wenn die dunkle Welt
schweigt und Nieselregen fällt,
müder Wind an kahlen Zweigen
hängenbleiben will,
werde ich ganz still,
will ich mit ihr schweigen.

Klamme Kälte kriecht aufs Feld,
das der Mond nur grau erhellt,
um am Waldrand aufzusteigen.
Dankbar mag ich jetzt
mich zu guter Letzt
tief vor ihr verneigen.

Dienstag, 22. Dezember 2015

November eben

Unten Autos, oben Krähen
zwischendrin ist nichts zu sehen,
Nebel quillt und wallt.

Lichter schneiden schmale Bahnen,
Wege gilt es zu erahnen
mittendrin im Spalt.

Und darüber krächzen, lachen,
wie, wenn sie sich lustig machen,
Krähen. - Krähen halt.

Freitag, 13. November 2015

Así es

Hacer que me dice mi corazón - es vivir. 
Lo contrario fuera nada más que morir.

Dienstag, 29. September 2015

Neige

Erst gestern glomm noch Licht im Traubensaft,
fing Sonnenglanz sich im Septemberlaub.
Seit heute scheint der Prunk hinweggerafft,
ward Frucht um Frucht des kühlen Windes Raub.

Und feuchte Wolkenberge türmen grau,
wo du, der Maler, bunt die Linde färbst.
Ich starre sehnsuchtsvoll ins Himmelblau
und weiß gewiss: Es ist schon wieder Herbst.

Dienstag, 4. August 2015

Urlaub 2015

Konzert mit "Waldgänger"


Strandmuschel

Wir nannten ihn Kalle-Elvis.

Steinernes Kunstwerk

Halo

Erinnerung


Samstag, 11. Juli 2015

Drei mal Drei - meins!

Ein Spiel: 9 Taler, 3 Spieler.
Spielinhalt: Es gilt, die Taler zwischen den Spielparteien so hin und her zu schieben, dass keiner doppelt so viele Taler hat wie ein anderer. Getauscht werden muss aber innerhalb einer bestimmten Zeitspanne! So die Regel.
Nach einigen Minuten sind alle Taler verschwunden und die drei Spieler wundern sich, wo die Taler geblieben sind.
Wer kann erraten, wo die Taler sind?
Antwort: Bei mir, denn ich habe dieses Spiel erfunden und vorausschauend zu meinen Gunsten die Regeln geändert, indem ich den Spielern Kredite einräumte und ihre Schulden zunächst mit Zins, später auch mit Zinseszins zurückforderte.
Schade, dass wir nur 9 Taler hatten ...

Dienstag, 7. Juli 2015

Action!

Wo Wille nur ein Wille ist,
verharrt der Mensch als Idealist.
Folgt weder Tat noch Schritt auf Schritt,
gibt dir dein Leben einen Tritt.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Rabenlied

Wie doch die Eichen knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Und über ihnen gellt des Raben schrilles Krächzen.
Die Dunkelheit, fast Schwärze, trägt ihr Abendkleid.

Aus finstren Wolken, die bedrohlich Berge türmen,
weht er, der Sammler, hält mir seinen Monolog.
Die Nacht jagt Himmel, bläht sich auf, verrauscht in Stürmen.
Ich sah den Raben wieder, den, der über Eichen flog.

Von Wehmut, die uns manches Mal ereilt auf Erden,
erzählte er mir einst am Fensterbrett und sang
das Lied von der Unendlichkeit, vom Gehen, Werden.
Dann hob er ab. Die Flügel fauchten Sturm und Drang.

Und mittendrin, im Lied von Ewigkeit und Trauer,
sang er vom Leben, sang von wildem Mut.
Er rief mir zu, es wäre nichts von ew'ger Dauer;
letztendlich wäre auch am Abschied etwas gut.


Die Eichen, wie sie knarren, wie sie traurig ächzen,
die in die Jahre kamen lang vor unsrer Zeit!
Dort über ihnen gellt des Raben Ruf, kein Krächzen,
und Dunkelheit, fast Schwärze, trägt sein Abendkleid.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Lefzenkehrer

Du hinterließest Dellen gern
im Raum- und Zeitkontinuum?
Bist ungern Mensch nur, lieber Stern
mit Galaxienhaufen drum?

Ein schwarzes Loch? Ein weißer Zwerg?
Und strahltest rein wie ein Quasar?
Bist leider dir der Kärg...
lichkeit bewusst: kein Superstar?

Um dies Begehr, die Sucht zu lindern,
betrügst du ohne Wimpernzucken?
Leckst gierig, deine Pein zu mindern,
aus fremden Mündern laue Spucken?



Folgsam, Fiffi, immer hübsch folgsam ...

Montag, 8. Juni 2015

Schaurig

Das Fensterlicht schweigt zugemauert,
von Tüll und Spitzenstoff verborgen.
Des Tags, des Abends bis zum Morgen,
gleich, ob es wärmt, friert oder schauert.

Im Dunkel kauern Innenwelten,
den Arsch verteilt im Bettgestühle.
Von Alltagsgrau: Wand und Gefühle.
Der Alte hört die Alte schelten,

hört nicht mehr zu, drückt stumm die Tasten,
glotzt stoisch auf den Flachbildkasten.
Einst sprachen ihre Blicke Bände.

Erblindet starren Fensterluken
auf die Bewohner, die da spuken
und hoffen auf die Wende ________

Ende.

Freitag, 8. Mai 2015

Auf Wiedersehen, geliebte Freundin


Am Tore steht ein wilder Typ,
strahlt mich aus lichten Augen an.
Er steht auf einem Zeh,
als schwebe er, mein Andersmann!

Dahinter ruht im Morgendunst
ein See, ein blauer See.
Darauf zwei Schwäne, weiß wie Schnee, 
gleich einem Bild von edler Kunst.

In seinem Arm - ohn Ach und Weh -
die Ewigkeit: mein Lieb.

13. August 1966 - 25. April 2015

"Er wartet unter einem Tor auf mich, mein Andersmann." (Silvi)

Freitag, 1. Mai 2015

Um Mitternacht

Im Mai stahl sich ein Stern aus einem Bettbezug;
als Bote kam er übers Dach gestiegen,
verkündete: "Ein Gruß von ihm!" per Funkenflug -
nur dies - ansonsten hat sein Mund geschwiegen.

Ein Gruß von dir. Bescheiden hielt ich ihm die Hand,
nicht zu ergreifen, vielmehr zu erahnen,
entgegen. So, als seien wir ein Leben lang bekannt.
Ein Weilchen zogen wir vereint am Himmel Bahnen.

In jener Nacht glomm dieser Stern (nur für uns zwei)
ein paar Minuten länger, sondergleichen:
ein Funkelstern um Mitternacht im neuen Mai.
Und mir gelang, ihm eine Hand zu reichen.

1. Mai

Donnerstag, 23. April 2015

Aprilpesto + Rezept


Dem morgendlichen Streifzug (heute sogar mit Specht) folgte ------------->



Pesto:


- Knoblauchrauke
- Vogelmiere
- Olivenöl
- 1 Teel.Arganöl
- Salz
- 1 Teel. Kräutersirup
- Mandeln
- Walnüsse

pürieren + genießen 
(manchmal mit Nudeln, heute aufs Brot/Marke Eigenback)





-satt-




Mittwoch, 22. April 2015

Gedanke

Mit Anmut deiner zarten Finger gleitest
du über Haut und Haar mir, durch Momente.
Und während du mir Lust bereitest,
verschmelzen jenseits unsre Elemente.

Du kleidest samt und sonders mich in Seide,
streifst mir das Stumpfe ab, das Kleine Graue.
Mich schmückt dein Blick wie seltenes Geschmeide,
dem ich erlegen bin, dem ich vertraue.

Weil du mir schmeichelst, weißt mich zu berühren,
dich an mich schmiegst, in Träumerei verloren,
um mich empfindsam mondwärts zu entführen,
werd ich durch dich zum zweiten Mal geboren.

Montag, 20. April 2015

Abgang


Medievale Fratzen sägen
an weißen Schenkeln,
weiden sich am Schwartestumpf,
sezieren, zerrupfen
epidermisblau, blutgestockt
den Schoß.
Hirn-Einmaster-schnipsend
ergötzt sich das Monsterknäuel
an schwärenden Qualen.
Eine feiste Lügenvisage
schreit rudernd
aus zungenentleertem Mund,
Mund, und ...

Erschöpft verschwenden sich
letzte Blicke
an gedoppelte Paeonia,
fängt sich Sonnenlicht
in gewebtem Kristallschleier.
Möbel knacken urgroßmütterlich.
Die Standuhr vertickt -
Lebenszeit.

Eine Fliege klatscht gegen Fensterglas -
Glas, las, aas...s.
Blüten splittern zur
Stille im Schaukelstuhl.

Diabolisch

Lustschlösser erbrachen Regenbögen.
Lippenbekenntnisse verdrehten Farben;
sie kotzten devot im Hündischen.
Scheelsüchtig gebar eine Missgunst

die Niedertracht.
Resigniert.
An zerbissener
 Unterlippe

nagte übermächtige Angst
vor Kontrollverrat.

Brüskierend blumig
tobte die Leidenschaft
auf der anderen,
der abgewandten Seite.

Und der Wurm kettete sich ans Gestänge,
wand sich in seiner Pein.
Abgedroschen wimmerte er
gen Uteri - und
war dieser Teufel längst
zum Teufel.

Montag, 2. März 2015

Bei Nacht

https://www.youtube.com/watch?v=VMuWOdIF6As

Dem Sternenmeer entspringt aus tiefster Nacht
geschäumte Glut, in der die Träume fließen.
Sie wallen unscheinbar und plaudern weise,
indes der Mond die Schleier mit Bedacht
um unsre Blicke webt, sie zu verschließen.
Auf seinen Wogen gehen wir auf Reise.

Dem Schlummer gilt die wundersamste Reise,
die süßeste, die sie uns schenkt, die Nacht.
Auf Flügeln, die uns schützen und umschließen,
derweilen Traumgestalten überfließen,
hält oben über allem einer Wacht
und lächelt ein ums andre Mal und weise.

Er schaut herab auf seine eigne Weise,
kennt jede Tücke dieser stillen Reise,
streicht Decken glatt, berührt die Kissen sacht,
ist Herrin wie auch Herr, der Mond der Nacht,
in der die hellen Meere überfließen,
das Tor des Tages zu verschließen.

Der Schlaf will nun die laute Welt verschließen,
die Stunden, die zermürbten, die nicht weise.
Erst wenn die Träume ineinanderfließen
gleich einer unbekannt gewordnen Reise,
sich Ruhe sehnt nach sternbekränzter Nacht,
wird dir ein neues Sternenlicht entfacht.

Bist du betrübt und traurig, Freund, gib Acht,
beschau die Weite dir beim Fensterschließen
in mondenvoller, sternenklarer Nacht.
Sie schenkt dir Antworten, denn sie ist weise.
Begleite sie auf ihrer weiten Reise
und spüre die Bedeutungen zerfließen.

Tu es den Flüssen gleich, die stetig fließen
wohin das Bett sie lenkt in ihrer Pracht.
Sie murmeln, strömen, ruhen auf der Reise,
beim Sich-Erholen, beim Zusammenschließen.
Dein Schlaf ist Sammlung, die am Morgen weise
verankert, was empfohlen dir bei Nacht.

Du stille Nacht, in der die Träume fließen,
in deren Weise ich manch Mond verbracht!
Dich zu erschließen, führt mich auf der Reise.

Sonntag, 1. März 2015

Hau ab!

Wie gleißts aus Himmeln, stürzt herab
verstrickt sich schier im Unterholz,
welches auf winterkahlem Grab
am Eis sich stillte, als es schmolz.
Wie jagen sich die Sonnenstrahlen,
bereit, die Wiesen bunt zu malen!

Schon in der Frühe, federweiß,
ergreifen sie die Halme, Moos,
bescheinen auf des Lenz' Geheiß
der Erde Samen, Spross und Schoß.
Der Wind reißt noch ein Blatt, das bieder
am Vorjahr hing ... Es knospet wieder.

Es knospet, keimt, und jungt und springt,
als gäbe es kein Abendlicht,
von dem die Nachtigall uns singt,
zur Nacht, da Mond sich Bahnen bricht.
Kein Jammern hilft, kein Reif am Raine -
nimm deinen Hut, Herr Frost – zieh Leine!

Samstag, 28. Februar 2015

Fotostrecke

Mein Kind, wir sind aus jenen Jahren,
wo Werbebilder blütenweiß,
die Menschen aber schmutzig waren
von Schinderei, Tortur und Fleiß.
Und Bild um Bild wird bald vergreisen,
der Himmel ist schon fast verblasst.
Vergilbte Fotos unsrer Reisen,
beweisen dir: Wir waren Gast,
zu Gast im Farblos, Grau, im Matten;
für Kunterbuntes wars zu früh.
Es gab nur Sonnenlicht und Schatten,
was unsern Bildern Leben lieh.

Samstag, 24. Januar 2015

Die Affären des Don Käfernova

Es war einmal ein Käfer,

der glaubte an die Liebe,
dacht‘ Käferinnen träf er,
von denen eine bliebe.
Die erste, das Mariechen,
die wusste zu becircen.
Er mocht‘ sie nur nicht riechen,
hob sie die Kittelschürzen.
Die nächste hatte Hörner
und war ganz gegen Chemo,
sie fraß jedoch nur Körner,
und lief zu jeder Demo.
Doch dann kam sie, die Rechte,
der Knaller, ne ganz harte,
die wochenlang nur zechte –
als Mann sich offenbarte.
Ich gebe auf, so dachte
der Krabbler auf der Wiese;
im Wassergraben lachte
derweilen albern – Liese.
Nach langer schwerer Suche,
da landete ganz sachte
sein Traum bei einer Buche,
sie war so schön – die Achte.
Bei der muss er nun bleiben,
dort auf dem Bahngelände,
denn ich hör auf zu schreiben:
Aus – Schluss - Vorbei und ENDE!

Ruhe

Ein Rohrspatz sprach zur Nachtigall,
sie störe seine Muße.
Sie fragte ihn: "Gesetzt den Fall,
ich schwiege, täte Buße,
wer sänge dann?" Gar fürchterlich
schrie da der Rohrspatz : "Ich – ich - ich!"

Samstag, 17. Januar 2015

Pferd und Esel


Ein stolzer Rappe und ein alter Esel trabten an einem warmen Sommertag gen Sonnenuntergang. Unter ihren Hufen wirbelte der Staub der Straße in dichten Schwaden; Schweiß rann ihnen von der Stirn.
Mit einem Mal hub der Rappe zu reden an.
„Esel,“ sprach er, „du dummer Esel solltest hinter mir bleiben! Es geziemt sich nicht für einen wie dich, in der ersten Reihe zu marschieren.“
Der Esel, der dem stolzen Begleiter um einen Schritt vorausgewesen war, hielt inne.
„I aaaa“, erwiderte er kurz und senkte demütig den Kopf.
Der Rappe verdrehte die Augen, erhob seinen Blick zum Himmel und schnaubte.
Der Esel, der stehengeblieben war, schaute hinterher, wie der Gaul in die Schlucht stürzte, die sich wenige Schritte weiter vor ihnen aufgetan hatte.

Dienstag, 6. Januar 2015

Ein Kuss

Lerchen streifen Wolkenherden,
eine Krähe pickt im Feld
und der Ruf des Kuckucks gellt
bei den Schafen, bei den Pferden.

Siehst du uns im Grase liegen?
Leise plätschert unser Bach.
Hörst du auch mein leises “Ach,
sieh nur, wie die Schwalben fliegen”?

Oder bist du eingeschlafen?
Ich schau auf und weil ich muss,
gebe ich dir einen Kuss,
auf der Wiese, bei den Schafen.


Montag, 5. Januar 2015

Vom Reh

Der Jäger schoss ein Reh auf einem Acker.
Das stand nur da und kaute stumm an Stängeln.
Und der da schoss, der fühlte cool sich, wacker,
fernab von Schuldgefühl, Defekten, Mängeln.

Zum Schlachtefest (man weiß, dies folgt dem Schuss)
wünsch ich ihm Übelkeit und Darmverschluss.

Sonntag, 4. Januar 2015

Mimikry

Solch Kostümierung trifft mich täglich in der Stadt:
Herrje, mir scheint, als ob die Leute
(Ihr Alter? Längst egal!) von heute
Bewunderung erbetteln und, anstatt
das Leben in der Welt zu achten, sich erzwingen.

Als gälte es, mit Masken, Lärm und Energie
das Unverfälschte nachzuäffen,
krakeelen, drängeln, greinen, kläffen
und intrigieren sie mit Akribie
und wetzen hinterrücks, nie offen, ihre Klingen.

Aus welchem Brunnen schöpfen sie die schwarze Glut?
Vertauschte Gott dereinst die Trichter,
goss Geist in Lüfte, nicht Gesichter?
Pulsiert die kalte Asche, nicht die Glut?
Sind sie nur noch ein Exkrement von Sonderlingen? 

Du triffst sie überall: Sie busserln stets entzückt,
indes sie Rosenblättchen rupfen,
verschämt am Röckchen Falten zupfen.
Fällst du drauf rein, wirst du gewürgt, erdrückt!
Sieh da, schon wieder zappeln welche in den Schlingen ...